Tohuwabohu

Strauss: Der Rosenkavalier am Theater Cottbus

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Und darum ist ja ewig dieser Wirrwarr von Einst und Jetzt und Später in dir» – das wird Anatol von seinem Freund Max in Arthur Schnitzlers Schauspiel «Anatol» von 1892 vorgehalten. Von Schnitzler zu Hugo von Hofmannsthals «Rosenkavalier»-Dichtung vergehen wenige Jahre, 1911 wird sie als «Komödie für Musik» von Richard Strauss uraufgeführt.

Der Begriff «Wirrwarr» beschreibt, wenigstens zur Hälfte, die zwiespältige, jegliche politische Zeit- und Gegenwartsdiagnostik ausklammernde Inszenierung von Tomo Sugao am Staatstheater Cottbus.

Seine Regie, die überwiegend düstere Fin-de-Siècle-Bühne Frank Philipp Schlößmanns und Judith Adams Vintage-Kostüme passen ganz nebenbei zum aktuellen Motto eines Cottbuser Theaterminimalismus: «Zusammen. Hier.» Wobei das szenische Durcheinander die Bühne immer dann zum übervölkerten Ballungsraum macht, wenn das deftige, die Handlung in ein aufgeregtes «Zusammen» führende Spiel und das Toben der Haupt- und vielen Nebendarsteller die Aufführung nahezu in ein Tohuwabohu verwandelt. So beispielsweise im ersten Akt, wenn die Marschallin von ihren Lakaien, dem Tierhändler und dem Notar, von der Modistin, den drei «adeligen Waisen» sowie den beiden Intriganten ...

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Opernwelt Dezember 2023
Rubrik: Panorama, Seite 43
von Wolfgang Schreiber

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