Vor Sonnenuntergang
Seit dieser Spielzeit ist die aus Los Angeles stammende Sängerin und Opernmanagerin Rebekah Rota Intendantin der Oper Wuppertal. Mit ihrer ersten Saison will sie programmatisch ein breites Publikum ansprechen: Es gibt Unterhaltsames wie das Musical «Cinderella» von Rodgers & Hammerstein oder Otto Nicolais «Lustige Weiber von Windsor», Barockes wie Händels «Alcina», aber auch Herausforderndes wie die Kombination von Schönbergs «Erwartung» mit dem Märchenstück «Der Wald» von Ethel Smyth.
Neu ist die pädagogische Vermittlung durch digitale Programmhefte, Zielgruppendefinitionen («für Menschen ab 16 Jahren, die sich gerne tiefen Gefühlen hingeben») und «Hinweise auf sensible Inhalte und sensorische Reize» – schließlich will man mit Kunst niemandem wehtun. Dieses Motto wurde dann bei der Saisonpremiere auch gleich eingelöst, zumindest auf der Bühne.
Dem Vernehmen nach war Rebekah Rota trotz anfänglicher Wagner-Vorbehalte begeistert von der trashig-bissigen «Tannhäuser»-Inszenierung, mit der Nuran David Calis vor einem Jahr in Wuppertal sein bemerkenswertes Operndebüt gab. Und weil Wagner auch für den jungen Chefdirigenten Patrick Hahn und sein Orchester eine lohnende Herausforderung ...
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Opernwelt Dezember 2023
Rubrik: Panorama, Seite 37
von Michael Struck-Schloen
Wo bist du, mein gelobtes Land, /Gesucht, geahnt und nie gekannt? Ich wandle still und wenig froh, / Und immer fragt der Seufzer: wo? / Es bringt die Luft den Hauch zurück: ‹Da, wo du nicht bist, dort ist das Glück!› So heißt es, unter drängender Achtelbegleitung, in Franz Schuberts «Der Wanderer» – ein Lied, so vergeblich nach Licht drängend wie ein...
Seine letzte Oper sollte eine lustige sein – so der ausdrückliche Wunsch des belgischen Komponisten Philippe Boesmans, den er Freunden im Februar 2022, rund zwei Monate vor seinem Tod, mitteilte. Nach all jenen Tragödien, die er bis dahin geschrieben habe, vor allem nach «Julie» auf Strindberg, wolle er mit totaler Leichtigkeit (légèreté) und Nachlässigkeit (insouc...
Das Repertoire ist groß, aber das das ungespielte Repertoire viel größer. Dazwischen aber hält die Rezeptionsgeschichte für Komponisten noch ein Fegefeuer bereit, wo über Himmel oder Hölle entschieden wird, über Aufstieg oder Abstieg. Die Urteilsfindung dauert mitunter Jahrzehnte. Alberto Franchetti (1860–1942) schien eine Zeitlang das Paradies offenzustehen, doch...
