Todesschatten im Traumraum
Wie ein Todeswunsch klingt? Beispielsweise so wie in der tiefgreifenden Schmerzensszene «Pallid’ombre, che scorgete» aus dem dritten Akt von Mozarts Seria «Mitridate, re di Ponto». Doch nicht etwa in Moll-Tonart hat der Komponist dieses Recitativo accompagnato und die anschließende Cavatine der gekrönten, aber unglücklichen Königin gehüllt, wie zuvor noch in Aspasias Agitata-Arie «Nel sen mi palpita», sondern in das numinos-erhabene Es-Dur.
Auf der Schwelle zum Jenseits ruft Bianca Tognocchi nun jene «bleichen Schatten» der elysischen Gefilde an, die als schwarzmaskierte und -gekleidete Schemen um sie herumgeistern (Kostüme: Ursula Kudrna, Choreographie: Sommer Ulrickson), damit sie im Tod ihren Seelenfrieden finden möge – und das so expressiv, so intensiv, dass man ihr dieses Verlangen tatsächlich abnimmt. Ein Glück nur, dass just in dem Augenblick, als die verkaufte (und von einer um sie herumkreisenden Tänzerin als solche auch «symbolisch» gekennzeichnete) Braut den vom Majordomus (der Schauspieler Philippe Jacq) gereichten Giftbecher an die Lippen führt, der Geliebte eintrifft und sie vom Ärgsten abhält. Leben soll sie, die Schöne, wenngleich auch nicht mehr an seiner Seite. ...
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Opernwelt Februar 2026
Rubrik: Im Focus, Seite 10
von Jürgen Otten
In einem für sein 19. Jahrhundert seltenen Durchblick auf die herrschenden patriarchalen Repressionsverhältnisse ließ Bellinis Librettist Felice Romani am Ende dieser von Shakespeare unabhängigen Romeo-und-Julia-Variante benennen, wer all dies Unglück schuf. Es ist Vater Capellio, der für den Tod seiner Tochter und ihres Geliebten Romeo verantwortlich ist, aus...
Männer sind einfach unersetzlich? Nun ja. Ob dem so ist oder nicht, liegt wohl in erster Linie an der Perspektive, aus der heraus man es betrachtet, also im Auge des oder der Betrachtenden. Die einen, zu denen vor allem Fans von Herbert Grönemeyer zählen, sagen so; die anderen, weit stärker einer evidenzbasierten Erkenntnis zugeneigt als dem Reich der blühenden...
Nein, es ist nicht der Dichter, der spricht. Es ist der Komponist. Leise, eindrücklich, leicht schnarrend klingt seine Stimme, und was sie sagt, reicht tief, zum Kern (und in die Katakomben) der Condition humaine. György Kurtág rezitiert Gedanken des ungarischen Reformators, Philosophen und Sophokles-Übersetzers Péter Bornemisza, es ist der Prolog zu einer 2017 in...
