Todesschatten im Traumraum
Wie ein Todeswunsch klingt? Beispielsweise so wie in der tiefgreifenden Schmerzensszene «Pallid’ombre, che scorgete» aus dem dritten Akt von Mozarts Seria «Mitridate, re di Ponto». Doch nicht etwa in Moll-Tonart hat der Komponist dieses Recitativo accompagnato und die anschließende Cavatine der gekrönten, aber unglücklichen Königin gehüllt, wie zuvor noch in Aspasias Agitata-Arie «Nel sen mi palpita», sondern in das numinos-erhabene Es-Dur.
Auf der Schwelle zum Jenseits ruft Bianca Tognocchi nun jene «bleichen Schatten» der elysischen Gefilde an, die als schwarzmaskierte und -gekleidete Schemen um sie herumgeistern (Kostüme: Ursula Kudrna, Choreographie: Sommer Ulrickson), damit sie im Tod ihren Seelenfrieden finden möge – und das so expressiv, so intensiv, dass man ihr dieses Verlangen tatsächlich abnimmt. Ein Glück nur, dass just in dem Augenblick, als die verkaufte (und von einer um sie herumkreisenden Tänzerin als solche auch «symbolisch» gekennzeichnete) Braut den vom Majordomus (der Schauspieler Philippe Jacq) gereichten Giftbecher an die Lippen führt, der Geliebte eintrifft und sie vom Ärgsten abhält. Leben soll sie, die Schöne, wenngleich auch nicht mehr an seiner Seite. ...
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Opernwelt Februar 2026
Rubrik: Im Focus, Seite 10
von Jürgen Otten
Christoph Willibald Glucks «Orfeo» ist auf den Opernbühnen selten zu erleben – erstaunlich genug, wo sich doch die Wirkmacht dieser ersten großen Reformoper aus Glucks Wiener Zeit bis heute erhalten hat. Zugunsten des durchkomponierten Dramas, in dem nichts die Handlung aufhalten durfte, hatte sich der Komponist von der Nummernoper mit ihrem starren Schema aus...
Man staunt: Paul Abraham hat hier 1934 fast pures Frauentheater geschrieben. Nahezu alles, was die Handlung geschäftlich oder erotisch bewegt, wird in diesem sarkastischen Märchen von zarter und dennoch meist resoluter Hand gesteuert. Vielleicht haben der Komponist und seine Librettisten sich dabei im Umfeld beginnender antijüdischer Repressalien, von denen sie...
Satte 81 Jahre alt ist Peter Konwitschny, und noch immer bereitet es ihm Bauchschmerzen, dass ein Großteil der Opern im Repertoire auf frauenfeindliche Texte komponiert wurde, für die man «sich schämen sollte», wie es der Regisseur im Instagram-Interview der Bonner Oper zu Protokoll gibt. Weil er aber als Sohn eines großen Dirigenten die Musik leidenschaftlich...
