Appetitmacher
Man staunt: Paul Abraham hat hier 1934 fast pures Frauentheater geschrieben. Nahezu alles, was die Handlung geschäftlich oder erotisch bewegt, wird in diesem sarkastischen Märchen von zarter und dennoch meist resoluter Hand gesteuert. Vielleicht haben der Komponist und seine Librettisten sich dabei im Umfeld beginnender antijüdischer Repressalien, von denen sie alle betroffen waren, auch persönlich eine Welt geträumt, in der es empathischer zugehen könnte als in ihrem realen Dasein. Für den Moment allerdings begegneten sie der Situation mit gesteigerter komödiantischer Kreativität.
So versetzten sie die Wurzeln eines ins Exil getriebenen Adelsclans um die Infantin Isabella, gleichermaßen im Abstieg begriffen wie das titelgebende Hotel, nach Spanien und damit in ihre unmittelbare Gegenwart – die dortige Monarchie hatte 1931 tatsächlich abdanken müssen; vor allem aber verkoppelten sie diesen Plot mit einer Parallelhandlung im fernen Hollywood, wo die tränenfeuchte Vertreibungsstory kinematographisch ausgebeutet werden soll.
So gibt es nun gleich zwei Undercover-Missionierende: neben der Filmagentin einen vorerst als Zimmerkellner maskierten neureichen Bürgerspross, der sich der ...
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Opernwelt Februar 2026
Rubrik: Panorama, Seite 46
von Gerald Felber
Pathos und Größe reizen zu Spott und Witz. Warum? Weil der Rezipient, der sich dem Großen, vielleicht auch dem Aufgeblasenen ausgesetzt sieht, innere Hygiene betreiben muss. Das Große will uns vereinnahmen, der Spott schafft Distanz und sichert die geistige Autarkie. Richard Wagners Person und Wirken reizen bis heute zur humoristischen Brechung. Seine Vorstellung...
Donnerstagmittag, 14:00 Uhr, es wird zeitgenössisches Musiktheater aufgeführt, und das Haus ist ausverkauft. Die Dresdnerinnen und Dresdner scheinen eine Verdauungsoper nach dem Mittagessen zu schätzen (selbst im Weihnachtsstress wenige Tage vor dem vierten Advent), vielleicht hat sich in der Stadt aber auch herumgesprochen, dass es mit Hans Abrahamsens «The Snow...
Der Marquise de Pompadour, geborene Jeanne-Antoinette Poisson, von 1745 bis 1761 Maîtresse-en-titre Louis XV und spätere Duchesse de Menard, wird jenes lakonisch-zynische Bonmot zugewiesen, das noch heute vielen Menschen aus dem Mund herausplumpst, wenn irgendetwas krachend schief gegangen ist: «Après nous le déluge», zu Deutsch: Nach mir die Sintflut. Selbiges...
