In der Summe flach
Christoph Willibald Glucks «Orfeo» ist auf den Opernbühnen selten zu erleben – erstaunlich genug, wo sich doch die Wirkmacht dieser ersten großen Reformoper aus Glucks Wiener Zeit bis heute erhalten hat. Zugunsten des durchkomponierten Dramas, in dem nichts die Handlung aufhalten durfte, hatte sich der Komponist von der Nummernoper mit ihrem starren Schema aus Rezitativ und Arie sowie der Vorliebe für virtuose Schnörkel verabschiedet.
«Orfeo ed Euridice» ist daher ungleich leichter zu inszenieren als die statischen Bühnenwerke des Barock, schließlich müssen keine endlosen Da-capo-Arien mehr gefüllt werden. Und doch schlagen viele Opernregisseure einen Bogen darum. Choreographen dagegen lieben das mit langen Balletteinlagen gespickte Opus; einigen von ihnen gelangen in den letzten Jahrzehnten höchst eindrucksvollste Lesarten – Größen wie John Neumeier, Joachim Schlömer und vor allem Pina Bausch, deren wegweisende Wuppertaler Produktion von 1975 Gerard Mortier 30 Jahre später an die Pariser Oper holte, wo sie lange Zeit mit überwältigendem Erfolg gespielt wurde.
Die Latte lag also hoch für Giuseppe Spota, den scheidenden Ballettchef des Musiktheaters im Revier, der in der ...
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Opernwelt Februar 2026
Rubrik: Panorama, Seite 48
von Regine Müller
Der Marquise de Pompadour, geborene Jeanne-Antoinette Poisson, von 1745 bis 1761 Maîtresse-en-titre Louis XV und spätere Duchesse de Menard, wird jenes lakonisch-zynische Bonmot zugewiesen, das noch heute vielen Menschen aus dem Mund herausplumpst, wenn irgendetwas krachend schief gegangen ist: «Après nous le déluge», zu Deutsch: Nach mir die Sintflut. Selbiges...
Gluck, so der Dirigent Ian Page im Booklet zu Ann Hallenbergs Recital, «ist einer der am meisten vernachlässigten und unterschätzten großen Komponisten, dessen Namen man häufiger in Büchern als in der Oper oder im Konzertsaal begegnet». Abseits der bekannteren Reformopern, muss man ergänzen, sogar so gut wie nie. Hallenbergs Gluck-Album ist ein Ereignis, weil es...
Wenn Gennaro und seine Kumpels beim Fest im Palast der Fürstin Negroni ausgelassen dem Madeira zusprechen, tänzelt die Musik triolisch federnd und in ausgelassenem C-Dur. Das sollte zumindest so sein im zweiten Akt von Donizettis Melodramma «Lucrezia Borgia». In der akustisch mehr als befriedigenden Ausweichspielstätte OPAL des Nationaltheaters Mannheim scheint dem...
