Geschnippelt und geklebt

Strauss: Die Frau ohne Schatten BONN | THEATER

Opernwelt - Logo

Satte 81 Jahre alt ist Peter Konwitschny, und noch immer bereitet es ihm Bauchschmerzen, dass ein Großteil der Opern im Repertoire auf frauenfeindliche Texte komponiert wurde, für die man «sich schämen sollte», wie es der  Regisseur im Instagram-Interview der Bonner Oper zu Protokoll gibt. Weil er aber als Sohn eines großen Dirigenten die Musik leidenschaftlich liebt, sieht er es als seine Aufgabe an, die Partituren gegen Libretti zu verteidigen, die nur selten seinem eigenen, sagen wir: post-sozialistischen Gesellschaftsbild entsprechen.

Aus dieser Spannung hat Konwitschny viele grandiose Theaterabende geformt, in denen er aus alten Stoffen verblüffende Lehren für die Gegenwart gezogen hat. Manchmal aber wächst ihm der Kraftakt der Anverwandlung einfach chaotisch über den Kopf – wie im Fall der «Frau ohne Schatten», der gründerzeitlich aufgepumpten Märchenoper von Hugo von Hofmannsthal und Richard Strauss, die Konwitschny nach der japanischen Premiere im vergangenen Jahr jetzt am Bonner Opernhaus vorstellte. Als «Versuch einer Annäherung» wird die Produktion etwas kleinlaut an -gekündigt – treffender wäre wohl «dekonstruierte Neufassung». Und die trifft diesmal auch die Partitur ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle Opernwelt-Artikel online lesen
  • Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Opernwelt Februar 2026
Rubrik: Panorama, Seite 52
von Michael Struck-Schloen

Weitere Beiträge
Der Kongress tanzt

Kakanien, versunkenes Riesenreich. Wie es war, wie es vielleicht noch sein könnte, wäre es nicht 1918 in den Ruhestand versetzt worden, darüber gibt uns Robert Musil, einer der größten Literaten des 20. Jahrhunderts, äußerst beredtblümerant (und mit dem inhärenten Subjektivismus des phantasiebegabten Schriftstellers) Auskunft: «So oft man in der Fremde an dieses...

Travestie-Revue

Ich wär’ so gern einmal verliebt», «Dein Kuss hat mir den Frühling gebracht», «Die Liebe kommt, die Liebe geht»: Ein musikalischer Ohrwurm reiht sich an den nächsten in Fritz Kreislers Operetten-Singspiel «Sissy». Dazu zwei junge Paare, die erst nach manchen Intrigen und Verwirrungen zueinander finden, bayrische und österreichische Charaktertypen, ein bisserl...

Heimatlos und (fast) vergessen

Immer fand ich den Namen falsch, den man uns gab: Emigranten. / Das heißt doch Auswanderer. / […] Wir flohen. / Vertriebene sind wir, Verbannte. (Bertolt Brecht)

Rund 400.000 der Anfang 1933 in Deutschland lebenden Juden waren deutsche Staatsbürger, dazu kamen etwa 120.000 meist polnischstämmige Einwohner mit längeren Aufenthaltstiteln. Nach der Machtübernahe der...