Geschnippelt und geklebt
Satte 81 Jahre alt ist Peter Konwitschny, und noch immer bereitet es ihm Bauchschmerzen, dass ein Großteil der Opern im Repertoire auf frauenfeindliche Texte komponiert wurde, für die man «sich schämen sollte», wie es der Regisseur im Instagram-Interview der Bonner Oper zu Protokoll gibt. Weil er aber als Sohn eines großen Dirigenten die Musik leidenschaftlich liebt, sieht er es als seine Aufgabe an, die Partituren gegen Libretti zu verteidigen, die nur selten seinem eigenen, sagen wir: post-sozialistischen Gesellschaftsbild entsprechen.
Aus dieser Spannung hat Konwitschny viele grandiose Theaterabende geformt, in denen er aus alten Stoffen verblüffende Lehren für die Gegenwart gezogen hat. Manchmal aber wächst ihm der Kraftakt der Anverwandlung einfach chaotisch über den Kopf – wie im Fall der «Frau ohne Schatten», der gründerzeitlich aufgepumpten Märchenoper von Hugo von Hofmannsthal und Richard Strauss, die Konwitschny nach der japanischen Premiere im vergangenen Jahr jetzt am Bonner Opernhaus vorstellte. Als «Versuch einer Annäherung» wird die Produktion etwas kleinlaut an -gekündigt – treffender wäre wohl «dekonstruierte Neufassung». Und die trifft diesmal auch die Partitur ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Opernwelt-Artikel online lesen
- Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Opernwelt Februar 2026
Rubrik: Panorama, Seite 52
von Michael Struck-Schloen
Wenn Gennaro und seine Kumpels beim Fest im Palast der Fürstin Negroni ausgelassen dem Madeira zusprechen, tänzelt die Musik triolisch federnd und in ausgelassenem C-Dur. Das sollte zumindest so sein im zweiten Akt von Donizettis Melodramma «Lucrezia Borgia». In der akustisch mehr als befriedigenden Ausweichspielstätte OPAL des Nationaltheaters Mannheim scheint dem...
Aus Romanen kennt man die verräterische Versicherung: «Ähnlichkeiten mit lebenden Personen sind rein zufällig.» Bloß keine Schadensersatzforderungen, alles garantiert fiktiv! Eine ähnliche Schutzbehauptung würde heute wohl auch der Oper «La libertà contenta» (Die zufriedene Freiheit) von 1693 vorausgehen, dem siebten Gemeinschaftswerk des Komponisten und Diplomaten...
Der Marquise de Pompadour, geborene Jeanne-Antoinette Poisson, von 1745 bis 1761 Maîtresse-en-titre Louis XV und spätere Duchesse de Menard, wird jenes lakonisch-zynische Bonmot zugewiesen, das noch heute vielen Menschen aus dem Mund herausplumpst, wenn irgendetwas krachend schief gegangen ist: «Après nous le déluge», zu Deutsch: Nach mir die Sintflut. Selbiges...
