Todeskampf

Wagners «Tristan und Isolde» gerät an der Bayerischen Staatsoper in München zum Triumph für Kirill Petrenko, die Inszenierung von Krzysztof Warlikowski schwelgt im Enigmatischen

Der Tod sitzt mit am Tisch auf Burg Kareol. Neun Kinderpuppen in blauer Krankenhauskleidung, von ganz klein bis jugendlich groß, sind da an einer langen Tafel zum Abendmahl vereint, vor sich leere Teller und halbgefüllte Gläser. Und allen sieht man an, dass der Krebs in ihnen wütet, leukämisch vermutlich. Die Schädel blank, wie ebenfalls der des jungen Mannes, den wir schon aus der (inszenierten) Einleitung zum ersten Aufzug kennen und der nun am rechten Bühnenrand auf einem Divan liegt, fürsorglich bewacht von Kurwenal, dem Wolfgang Koch kernige und glutvolle vokale Statur leiht.

Ein zweiter Tristan, allegorische Figur wie seine gleichfalls stumme, kahlköpfige Gefährtin, die bald hinzutritt, um ihn zu trösten. Der andere, der richtige Tristan, hockt verloren inmitten der Schar, ein Fremder unter Fremden. Seine Haarpracht besitzt er noch. Doch die Wunde, die er sich selber schlug mit Melots Hilfe, schwärt, mehr und mehr sickert Blut durchs vormals blütenreine Hemd. Kein Zweifel, auch der freie und doch so zage Held ist dem Tode geweiht.

Was diese Szene zu Beginn des dritten Aufzugs so ungemein beklemmend macht, ist aber nicht allein das Bild. Es ist vor allem die Musik. ...

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Opernwelt August 2021
Rubrik: Im Focus, Seite 4
von Jürgen Otten

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