Tod im Schnee
Nach gut einer Stunde wird das erste Schwefelhölzchen gezündet, und auf einmal ist alles anders. Warmes Licht fällt auf die Szene, die sonst wie vor Kälte erstarrt, und auf der Bühne des Zürcher Opernhauses wird es lebendig. Als wäre das «kleine, arme Mädchen mit bloßem Kopfe und nackten Füßen» einen «Ritsch» lang eine Heilige, so wird es von einer Schar auf Händen getragen. Wie ein schwarzer Kometenschweif scheinen die Tänzer an der kurzzeitigen Lichtgestalt zu hängen, während man aus dem Orchestergraben schon die Posaunen des Jüngsten Gerichts zu hören glaubt.
Kaum erlischt das Streichholz, geistert das Ballettensemble über die Bühne, dichte Rauchschwaden hinter sich herziehend: ein bewegtes Bild, das den Atem raubt. Nicht das einzige an diesem Abend, an dem «Das Mädchen mit den Schwefelhölzern», 1997 an der Hamburgischen Staatsoper uraufgeführt, zum ersten Mal in der Schweiz zu erleben ist.
Helmut Lachenmann kennzeichnet sein Bühnenwerk nach Texten von Hans Christian Andersen, Gudrun Ensslin und Leonardo da Vinci als «Musik mit Bildern» und gewährt damit einen Spielraum, der sich auf unterschiedliche Weise nutzen lässt. Ballettdirektor Christian Spuck füllt ihn auf seine Art ...
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Opernwelt Dezember 2019
Rubrik: Im Focus, Seite 10
von Hartmut Regitz
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