Tiefgefroren, aufgetaut

Mailand | Monteverdi: Il ritorno d’Ulisse in patria

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Robert Wilsons Anhänger beteuern gern, dass der Regisseur in den Opern, die er inszeniere, Tiefenschichten freilege und aktuelle Themen entdecke. Man könnte aber auch sagen, dass der Texaner in seinen Bildern alles bis zum Gefrierpunkt herunterkühlt in seinem Streben nach ritueller Ungerührtheit, wie sie der griechischen Tragödie eigen war – und der Liturgie der orthodoxen Ostkirchen heute noch ist. Fraglos noble Vorbilder, wie auch das japanische Nô-Theater oder der indische Kathak-Tanz – Genres, in denen Stil- und Formaspekte im Vordergrund stehen.

Ob Wilson «Parsifal» auf die Bühne bringt oder «Aida», Glucks «Orfeo» oder dessen von Monteverdi geschaf­fenen Vorläufer: Ein Wilson gleicht dem anderen, so wie eine Messe der anderen gleicht, sieht man von lokalen Spezifika wie der Sprache des gesungenen Textes oder den Farben der ihn begleitenden Musik ab.

Für diese Uniformität ist auch Wilsons aktuelle Inszenierung von «Il ritorno d’Ulisse in patria» ein Beispiel, Mittelstück einer Monteverdi/Wilson-Trilogie, die die Scala zwischen 2009 und 2013 angesetzt hat – weder Re- noch Dekonstruktion des Klassischen, vielmehr dessen Einbalsamierung, als werde es in einem noblen ...

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Opernwelt November 2011
Rubrik: Panorama, Seite 50
von Carlo Vitali

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