Tiefgefroren, aufgetaut
Robert Wilsons Anhänger beteuern gern, dass der Regisseur in den Opern, die er inszeniere, Tiefenschichten freilege und aktuelle Themen entdecke. Man könnte aber auch sagen, dass der Texaner in seinen Bildern alles bis zum Gefrierpunkt herunterkühlt in seinem Streben nach ritueller Ungerührtheit, wie sie der griechischen Tragödie eigen war – und der Liturgie der orthodoxen Ostkirchen heute noch ist. Fraglos noble Vorbilder, wie auch das japanische Nô-Theater oder der indische Kathak-Tanz – Genres, in denen Stil- und Formaspekte im Vordergrund stehen.
Ob Wilson «Parsifal» auf die Bühne bringt oder «Aida», Glucks «Orfeo» oder dessen von Monteverdi geschaffenen Vorläufer: Ein Wilson gleicht dem anderen, so wie eine Messe der anderen gleicht, sieht man von lokalen Spezifika wie der Sprache des gesungenen Textes oder den Farben der ihn begleitenden Musik ab.
Für diese Uniformität ist auch Wilsons aktuelle Inszenierung von «Il ritorno d’Ulisse in patria» ein Beispiel, Mittelstück einer Monteverdi/Wilson-Trilogie, die die Scala zwischen 2009 und 2013 angesetzt hat – weder Re- noch Dekonstruktion des Klassischen, vielmehr dessen Einbalsamierung, als werde es in einem noblen ...
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Opernwelt November 2011
Rubrik: Panorama, Seite 50
von Carlo Vitali
Am 18. Februar 2012 wird es zehn Jahre her sein, dass sich auf der Bühne der Met eine «Audrey Hepburn mit Stimme» vorstellte: die damals 31-jährige Anna Netrebko in der Rolle der Natascha in Sergej Prokofjews «Krieg und Frieden». Zur Vorfeier dieses «Jubiläums» präsentiert sich die schöne Russin, inzwischen unter den Berühmten die Berühmteste, mit einem Album «Live...
Er war Lieblingsschüler und Freund Franz Liszts und ein zu seiner Zeit in mehreren Genres erfolgreicher Komponist; heute ist er aus dem Opern- und Konzert-Repertoire vollständig verschwunden: Anton Urspruch (1850-1907), dessen Werk man mit dem Etikett «spätromantisch» nicht ganz gerecht wird. Seine komische Oper «Das Unmöglichste von Allem», 1897 unter Felix Mottls...
Und es gibt ihn doch: den Berliner Charme. Raffinement ist nicht seine Stärke, er neigt eher zum Rustikalen. Der Ton ist rau, der Witz derber als anderswo, und manchmal strotzt er nur so vor lauter Selbstbewusstsein. An Spree und Havel trägt man das Herz eben nicht auf der Zunge, sondern zeigt es frei nach Schnauze. «Uns kann keener», tönt der Volksmund und...
