There is no business like show business
Von der Londoner Wigmore Hall zum Burlington House braucht es kaum eine halbe Stunde gemütlichen Spaziergangs. Alljährlich beherbergt Letzteres die Sommerausstellung der Royal Academy of Arts, und das seit 247 Jahren. Die Show ist einzigartig in ihrer Mixtur aus Werken professioneller und dilettierender Künstler (12 000 Bewerbungen hat die in diesem Jahr von Michael Craig-Martin geführte Jury gesichtet, ein Zehntel davon schließlich zugelassen).
Die Verbindung von «Hohem» und «Trivialem», Avanciertem und Traditionellem sorgt jedes Jahr für hochgezogene Brauen unter Fachleuten und Kritikern, erfreut sich aber enormer Beliebtheit beim Publikum. Warum wir das hier erwähnen? Weil «Joyce & Tony – Live at Wigmore Hall» an dieses Konzept erinnert: Trouvaillen – etwa Haydns Solokantate «Arianna a Naxos» – neben leicht Verdaulichem aus den Küchen des Showbiz.
Man liebt Joyce DiDonato in London, ihre Maria Stuarda am Royal Opera House vor einem Jahr war ein Triumph, und die Schlange beim Kartenvorverkauf für dieses nun auf CD veröffentlichte Konzert im September 2014 ging angeblich um den ganzen Häuserblock.
Doch beim Anhören darf es auch Stirnrunzeln geben, nicht nur der Dramaturgie wegen, ...
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Opernwelt September/Oktober 2015
Rubrik: Hören, Sehen, Lesen, Seite 49
von Gerhard Persché
«Alfred», die erste der elf Opern Dvoráks, ist ein Kuriosum. Überall hört man Wagner-Themen in dem gut zweistündigen Dreiakter aus den Jahren 1869/70. Und zwar meist in Situationen, zu denen sie nicht passen. Die gefangenen Briten werden zum Einzug der Wartburggäste herein- und mit dem hinkenden Beckmesser-Motiv wieder abgeführt. König Harald von Dänemark hält...
Das Opernwelt-Jahrbuch
Wo steht das «Opernhaus des Jahres»? Wer ist «Sänger des Jahres», und wer siegt in der Kategorie «Dirigent»? Am 30. September erscheint unser Jahrbuch «Oper 2015». Es enthält die mit Spannung erwartete Kritikerumfrage samt Porträts und Interviews. Außerdem: Essays über zeitgenössisches Musiktheater in den USA, den Boom historisch-kritischer...
Beim letzten und bisher einzigen Mal Oper waren die Beteiligten reif für die Kollektivbeichte. Ausgerechnet hier, wo das Leiden des Herrn seit einem Pestgelübde nachgestellt wird, ließ Salome ihre sieben Schleier fallen – damals, 1996, im Rahmen der Richard-Strauss-Tage und als Besuch des Mariinsky-Theaters mit Valery Gergiev. Nur alle zehn Jahre das Theater zur...
