Das Feuer glimmt schon
Genieflammen zucken da und dort […] Wenn Mozart nicht eine im Gewächshaus getriebene Pflanze ist, so muss er einer der größten Komponisten werden, die jemals gelebt haben.» Dies prophezeite der streitbare, selbst komponierende Journalist und Dichter Christian Friedrich Daniel Schubart 1775 in seiner «Deutschen Chronik» nach der Münchner Uraufführung von Mozarts «La finta giardiniera». Das Dramma giocoso verschwand schon nach drei Aufführungen von der Bühne.
Dass Mozart selbst es 1779 als deutsches Singspiel bearbeitete und dabei die originalen Rezitative durch Prosadialoge ersetzen ließ, während er die Accompagnati übernahm, hat sich bis heute nicht so recht herumgesprochen. In dieser 1780 durch die Schauspielertruppe Johann Heinrich Böhms in Augsburg und später auch in anderen deutschen Städten aufgeführten Version liegt das Werk als Mitschnitt eines Münchner Rundfunkkonzerts vom Jahr 2017 jetzt erstmals als CD vor.
Es ist, nach der «Finta semplice» des Zwölfjährigen, Mozarts zweiter Buffa-Versuch. An den Geniestreich der drei Da-Ponte-Opern darf man zwar noch nicht denken, doch deren Feuer glimmt schon. Vor allem musiziert er bereits weit über das buffoneske Geplänkel des ...
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Opernwelt April 2023
Rubrik: CDs, DVDs und Bücher, Seite 32
von Uwe Schweikert
Im vergangenen Jahr arbeitete die Nationaloper Lviv an der Grenze des menschlich Möglichen. Trotz zahlloser Unterbrechungen durch Sirenen und Stromausfälle brachte sie mehrere Neuproduktionen auf die Bühne des zum UNESCO-Welterbe zählenden Hauses. «Das ist unsere Frontlinie», sagen ukrainische Künstlerinnen und Künstler. Die letzte dieser Premieren mit dem Titel...
Das Licht geht aus, wie von Geisterhand setzen sich die Tasten des Flügels in Bewegung. In der Mitte des Raumes beginnt sich die kreisförmige Zuschauertribüne um die eigene Achse zu drehen. Langsam fährt das verblüffte Publikum an Podesten vorbei, auf denen mehrere Sängerinnen und Sänger in blau leuchtenden Perücken hinter halbdurchsichtigen Gaze-Schleiern sitzen –...
Am Anfang das (stumme) Rauschen des Wassers, in Form eines von Céline Baril auf die sandfarbenen Mauern von Babylon projizierten Videos. Am Ende das leise Gebet zum Schein der Kerzen, ein vielstimmiges «Amen». Dazwischen: die Hölle auf Erden. Händels «Belshazzar» in der Halle E des Wiener Museumsquartiers ist nichts für Kulinariker, die in barockoratorischen...
