Vogelflug

Donizetti: Roberto Devereux am Opernhaus Zürich

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Prinz Harrys Enthüllungen der Sauereien im englischen Königshaus wirken fast wie das Greinen eines beleidigten Kindes im Vergleich zu dem Anblick, der sich uns am Beginn der Ouvertüre von Donizettis «Roberto Devereux» bietet. Auf der Bühne liegt die enthauptete Anne Boleyn in einer Blutlache, ihr Henker steht noch mit gezücktem Degen vor der Leiche; im Hintergrund die kleine Elisabeth. In dieser stummen Szene zu der vom Komponisten zitierten Musik der Hymne des Königreichs liegt schon der ganze Aberwitz, in den dieses Melodram führen wird.

Die Geschichte trägt tatsächlich das Gepräge des Irren: Die alternde Königin Elisabeth ist immer noch in ihren einstigen Geliebten, den titelgebenden Earl of Essex vernarrt. Es folgt eine romanhaft verzwickte Handlung um Hochverrat, (scheinbare) eheliche Untreue, eine parlamentarische Intrige sowie ein Missverständnis um einen bestickten Schal – ein Corpus Delicti wie das Taschentuch in Verdis «Otello». Die Königin rast in Eifersucht und unterschreibt Robertos Todesurteil – nicht jedoch aus Gründen der Staatsräson wie ihr Vater, sondern aufgrund emotionaler Verranntheit. Entgegen der geschichtlichen Wahrheit folgen die Abdankung und die Reise in ...

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Opernwelt April 2023
Rubrik: Panorama, Seite 40
von Bernd Künzig

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