O solitude, my sweetest choice
Singen hilft immer. Auch in den schwersten Momenten unseres Lebens, wenn der oder die Liebste für immer dahingegangen ist.
«O let me weep, for ever weep» – so lautet die erste Zeile jener Gedichtvertonung, die in einer posthumen Aufführung von Henry Purcells Masque »The Fairy Queen» auf Shakespeares somnambule Komödie «A Midsummer Night’s Dream» anno 1698 im fünften Akt erklang, als ein Lamento, das die Welt, zumindest für eine Weile, zum Stillstand brachte und in ihrer berührenden Eindrücklichkeit an die schmerzvolle Klage der karthagischen Königin «When I am laid in earth» aus «Dido and Aeneas» erinnert. Die Frage ist nur: War Purcell selbst der Autor? Oder sein Bruder Daniel? Wir wissen es nicht mit letzter Sicherheit. Aber wir haben diese unfassbar schöne Musik. Und das mag genügen.
Zumal wenn Paul-Antoine Bénos-Djian dieses Stück, das viele unter dem Titel «The Plaint» kennen, anstimmt, dabei in größter Sanftheit vom Ensemble Le Consort begleitet. Seine Stimme scheint aus den Wolken zu kommen, und man muss sich sehr zusammennehmen, um nicht selbst in Tränen auszubrechen – so engelsgleich und zugleich so trist klingen die Verse bei dem französischen Countertenor und seinen ...
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Opernwelt September-Oktober 2025
Rubrik: Medien, Seite 60
von Jürgen Otten
Etwas ist anders als sonst. Etwas, das sich mit Worten nur schwer beschreiben lässt, aber in vielen Momenten spürbar wird, mal in einem vertraulichen Gespräch, mal beim Gang in eines der Theater der Stadt, mal in dem Augenblick, wenn sich der Vorhang hebt. Und mal einfach so: Der Chef fehlt. Und damit Hirn, Herz und Seele des Festivals d’Aix-en-Provence. Pierre...
Die Handlung des «Aschenputtel»-Märchens ist hinlänglich bekannt, doch die Wendung, die der Komponist Gioacchino Rossini ihr verleiht, ist interessant: Er fügt die Figur des Alidoro ein, von dem man nicht so genau weiß, ob er «nur» ein philosophierender Lehrer und Erzieher des jugendlichen Prinzen Don Ramiro ist oder ob mehr dahintersteckt. Jochen Schönleber,...
Der Kritiker der «New York Times», John Rockwell, erlebte 1976 in Avignon eine Uraufführung, «die einem ein Leben lang in Erinnerung bleiben wird». Und tatsächlich: «Einstein on the Beach» zu sehen und zu hören, das Musiktheater der beiden US-Amerikaner Philipp Glass und Robert Wilson, das bedeutete Mitte der 1970er-Jahre für die europäische Musik- und...
