Tempi passati
In einer Zeit, in der echte Verdi-Sänger ebenso selten geworden sind wie echte Vertreter des Wagner-Fachs, greift der Sammler gern zu alten Mitschnitten und nimmt dabei sogar ein unbefriedigendes Klangbild in Kauf – wie in jenem «Otello» aus Buenos Aires, der nun vom Istituto Discografico Italiano erstmals legal veröffentlicht wird. Ramón Vinay, ein epochaler Darsteller der Titelrolle, war 1958 bereits hörbar auf dem Weg zurück zum Bariton, doch sein Rollenporträt hat nach wie vor vulkanische Kraft.
In Giuseppe Taddeis ebenso stimm- wie ausdrucksstarkem Jago findet er einen ebenbürtigen Partner. Die junge Antonietta Stella ist als Desdemona noch weitgehend frei von Diven-Manierismen und deshalb eine überzeugende Besetzung. Sir Thomas Beechams Dirigat verbindet die Kontraste von ausladendem Lyrismus und dramatischem Feuer. Das Orchesterspiel ist nur mittelklassig, der Klang des Mitschnitts über weite Strecken verzerrt.
Trotz des ebenfalls nur mäßigen Orchesterspiels hat die von Mario Rossi routiniert dirigierte Vorstellung des «Simon Boccanegra», im gleichen Jahr in Neapel mitgeschnitten, starke musiktheatralische Momente und ist vor allem als Dokument der jungen Leyla Gencer von ...
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Von Londons Bussen heißt es, erst käme keiner – und dann gleich drei auf einmal. Ähnliches könnte man von «Partenope» sagen. Für die zweite Londoner Akademie Händels geschaffen, inspiriert von der Opera seria neapolitanischer Faktur, war dieses 1730 uraufgeführte Werk lange ein Geheimtipp für Kenner– trotz bemerkenswerter Aufführungen wie etwa jene 2001 bei den...
In Zusammenhang mit Raritäten stellt sich häufig die Frage, ob ein Werk nicht vielleicht doch zu Recht unter den Teppich des Vergessens gekehrt wurde. Bei Francesco Bartolomeo Contis Tragicommedia in fünf Akten «Don Chisciotte in Sierra Morena» kann man dies klar verneinen. Die Produktion der «Musikwerkstatt Wien» im Semperdepot bringt eine vergnügliche Begegnung...
Kein Zufall, dass die Opernhäuser einen Bogen machen um Manuel de Fallas knapp über einstündigen Zweiakter «La vida breve» von 1905. Immerhin könnte man ihn als eine Art spanische Nationaloper bezeichnen – mangels sonstiger Masse: De Fallas monumental konzipiertes Spätwerk «Atlántida» blieb unvollendet und in (von Ernesto Halffter) unbefriedigend komplettiertem...
