Sichtbeton mit Palme

Mannheim, Strauss: Ariadne auf Naxos

Opernwelt - Logo

Eines der markanten Merkmale des Mannheimer Nationaltheaters sind die Logenbalkons aus rohem Sichtbeton, die im Laufe der Jahre schmuddelig und dunkel geworden sind. Ob sich Regisseurin Monique Wagemakers und Bühnenbildner Thomas Rupert für ihre Deutung der «Ariadne auf Naxos» von dieser Architektur haben inspirieren lassen, sei dahingestellt. Wenn der Vorhang aufgeht, sieht man jedenfalls wenig Neues: nackte, hohe Wände aus blankem, grauem Beton, in der Mitte eine Rotunde, auch sie aus Beton, einige blaue Schalensitze als Farbkontrast.

Offenbar soll das ein unfertiger U-Bahnhof oder eine Bauruine sein. Warum, bleibt offen. Es muss etwas mit der «wüsten Insel» zu tun haben, auf der die Oper in der Oper spielen soll, und damit, dass Beton das Symbol unserer Epoche ist. Scheußlich sieht es trotzdem aus.
Bezwingend dagegen ist die Idee, die göttergleiche Position des Haushofmeisters ernst zu nehmen und ihn nicht körperlich, sondern nur vermittelt zu zeigen. In der Logik des Bühnenbilds heißt das: auf einem Monitor. Romanus Fuhrmann ist ein kalt lächelnder, glatzköpfiger Bürokrat, dem die bösartige Höflichkeit eines echten Wiener Hofdieners fehlt. Marie-Belle Sandis sieht in der ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle Opernwelt-Artikel online lesen
  • Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Opernwelt April 2009
Rubrik: Panorama, Seite 46
von Udo Badelt

Vergriffen
Weitere Beiträge
Zwischen Aufbruch und Ärgernis

Meine sehr verehrten Damen und Herren,

ich kann mir gut vorstellen, dass viele von Ihnen heute mit Skepsis ins Radialsystem gekommen sind. Sagen wir es mit einem Titel von Botho Strauß: Bekannte Gesichter – gemischte Gefühle. Was sollen sie denn bringen, solche Diskussionsrunden? Ist es nicht immer dasselbe: Letztlich reden die Beteiligten erst höflich, dann...

Starttheater für den Markt

In der stattlichen Diskografie von Puccinis «Madama Butterfly» nehmen die Produktionen der EMI vordere Plätze ein. Fast unerreicht in ihrem unsentimentalen, fast schroffen Habitus ist Gianandrea Gavazzenis Mono-Einspielung von 1954 mit Victoria de los Angeles und Giuseppe di Stefano. Herbert von Karajans klangsinnlichere Version aus dem folgenden Jahr, mit Maria...

Aus einem Guss

«Was für ein abscheulicher Stoff, nicht ein gutes oder edles Gefühl darin!» So charakterisierte Alexander Puschkin die Geschichte vom ukrainischen Kosaken-Hetman Iwan Mazeppa, die zur Grundlage seines großen Versepos «Poltawa» wurde. In der Tat: Mazeppa, der schon zur Zeit Peters des Großen eine unabhängige Ukraine anstrebte, ist eine zwielichtige Figur. Im Großen...