Tatort Theben
Wenn Theaterregisseurinnen oder -regisseure abends von den Proben müde ins Hotelbett fallen, dann flutscht die Hand gern zur Fernbedienung. Was sie da im TV zu sehen bekommen, hat zwar selten direkt mit Kunst zu tun, kann aber den Blick für das mediale Volksvermögen schärfen – und damit Kunst inspirieren. Dem russischen Opern- und Schauspielregisseur Timofey Kulyabin, der gerade eine erstaunliche «Westkarriere» macht, haben es offenbar die deutschen Kriminalserien à la «Tatort» und «SOKO» angetan.
Man ahnt, warum: Es geht um das wohlige Schaudern, wenn Mord und andere Verbrechen die Gesellschaft wieder einmal infrage stellen; aber auch um die wohlige Rückkehr zur Ordnung, wenn der Kommissar, und sei er noch so schrullig, am Ende alles durchschaut und erklärt.
In Kuljabins Wuppertaler Inszenierung von Igor Strawinskys Opern-Oratorium «Oedipus Rex» – zusammen mit der vorausgehenden Hochzeitskantate «Les noces» – sitzt der ermittelnde Kommissar (Gregor Henze) in einer Kammer auf halber Höhe der Bühnenrückwand. Immer wieder unterbricht er die Handlung, sitzt an seinem Laptop, denkt laut vor sich hin und sortiert die Tüten mit dem Beweismaterial im Mordfall Ödipus. Dabei wird er ...
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Opernwelt November 2019
Rubrik: Panorama, Seite 56
von Michael Struck-Schloen
Ein bisschen stolz sind sie schon, die Musikexperten in der Strasbourger Arte-Zentrale. Seit zehn Jahren ist Arte Concert, die digitale Plattform für Klassik, Oper, Jazz, Pop & Rock, Metal, Electronic, Weltmusik, Bühnenkunst und demnächst auch Barockes, auf Sendung – im Netz, umsonst und rund um die Uhr. Fast vier Millionen mal wurde zwischen September 2018 und...
Kein Sonnenaufgang, keine Gewitterwolken, kein Regenbogen. (Fast) nur Schwarz und Weiß. In Tobias Kratzers Regie von Rossinis Mammut-Oper tragen die Unterdrückten Schwarz, mit weißen Hemden. Die Unterdrücker dagegen – genau wie die Gang um Alex in Stanley Kubricks Film «A Clockwork Orange» – Weiß, mit schwarzer Melone und schwarzen Stiefeln. Auf Rainer Sellmaiers...
Sie heißen Dori oder Oronte, Merope oder Polifonte, Adelberto oder Ottone, und gemeinsam ist ihnen ein ziemlich übler Wohnort: Als Kriegsrecken, schmachtende Blaublüter oder Intriganten hausen sie dort, wo’s staubig ist – in Archiven und Bibliotheken. Manchmal dürfen sie ans Licht, wenn eine Rettungsaktion organisiert wird. In Innsbruck ist das Alltag, nicht nur...
