Tatort Theben
Wenn Theaterregisseurinnen oder -regisseure abends von den Proben müde ins Hotelbett fallen, dann flutscht die Hand gern zur Fernbedienung. Was sie da im TV zu sehen bekommen, hat zwar selten direkt mit Kunst zu tun, kann aber den Blick für das mediale Volksvermögen schärfen – und damit Kunst inspirieren. Dem russischen Opern- und Schauspielregisseur Timofey Kulyabin, der gerade eine erstaunliche «Westkarriere» macht, haben es offenbar die deutschen Kriminalserien à la «Tatort» und «SOKO» angetan.
Man ahnt, warum: Es geht um das wohlige Schaudern, wenn Mord und andere Verbrechen die Gesellschaft wieder einmal infrage stellen; aber auch um die wohlige Rückkehr zur Ordnung, wenn der Kommissar, und sei er noch so schrullig, am Ende alles durchschaut und erklärt.
In Kuljabins Wuppertaler Inszenierung von Igor Strawinskys Opern-Oratorium «Oedipus Rex» – zusammen mit der vorausgehenden Hochzeitskantate «Les noces» – sitzt der ermittelnde Kommissar (Gregor Henze) in einer Kammer auf halber Höhe der Bühnenrückwand. Immer wieder unterbricht er die Handlung, sitzt an seinem Laptop, denkt laut vor sich hin und sortiert die Tüten mit dem Beweismaterial im Mordfall Ödipus. Dabei wird er ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Opernwelt-Artikel online lesen
- Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Opernwelt November 2019
Rubrik: Panorama, Seite 56
von Michael Struck-Schloen
Christina Pluhar
Sie sucht das Unerhörte, Ungewöhnliche, Überraschende. Mit ihrem Ensemble L’Arpeggiata erkundet die Lautenistin und Harfenistin das Terrain der Alten Musik – um es mit Experimenten, Modernisierungen und kühnen Repertoire-Erweiterungen aufzufrischen. Künftig will sie sich vor allem um Bühnenwerke kümmern. Ein Gespräch
Hans Abrahamsen
Er hat ein...
Naumburgs Hauptdarsteller ist seit jeher der romanische Dom. Dem liebevoll renovierten, aber nur selten besuchten Nietzsche-Haus bleibt nur eine Nebenrolle. Der Philosoph verbrachte dort die Jugendzeit und dann sieben Wahnsinnsjahre in mütterlicher Obhut. Er komponierte auch; gleichwohl mochte Hans von Bülow seinen Werken nur «den Wert eines Verbrechens»...
Wenn es eine innere Verwandtschaft zwischen Oper und Kino gibt, so beruht sie nicht zuletzt auf dem Hang zum Exzessiven, Monumentalen. Zu den frühen Großmeistern zeit- und raumsprengender Formate gehörten ja nicht nur Tonschöpfer wie Hector Berlioz (etwa mit «Les Troyens») oder Richard Wagner, sondern auch Filmpioniere wie David W. Griffith («Intolerance») oder...
