Clockwork Switzerland
Kein Sonnenaufgang, keine Gewitterwolken, kein Regenbogen. (Fast) nur Schwarz und Weiß. In Tobias Kratzers Regie von Rossinis Mammut-Oper tragen die Unterdrückten Schwarz, mit weißen Hemden. Die Unterdrücker dagegen – genau wie die Gang um Alex in Stanley Kubricks Film «A Clockwork Orange» – Weiß, mit schwarzer Melone und schwarzen Stiefeln. Auf Rainer Sellmaiers Bühne ein schneeweißes Podest mit schwarzen Holzstühlen für den Chor, die von Ferne an die Stuttgarter «Norma» von Jossi Wieler und Sergio Morabito erinnern.
Dahinter ein riesiges Alpenpanorama als Wandbild, selbstredend schwarz-weiß. Im Lauf des Abends rinnt (schwarzes) Blut über die Fotografie, die am Ende völlig geschwärzt ist.
Kratzer verleugnet andere Lesarten der Oper nicht, wenn er seinen eigenen Weg sucht. Wie in Roland Schwabs beeindruckender Inszenierung stellt er das Solo-Violoncello auf die Bühne – allerdings nicht bei Tells Arioso vor dem Apfelschuss, sondern für das Instrumentalsolo am Beginn der Ouvertüre. Und wie 2017 in Saarbrücken zertrümmern Geslers Hooligans gnadenlos den innigen Moment. Im Unterschied zu den Regiearbeiten Schwabs und Damiano Michielettos (London 2017) erscheint Brutalität hier nicht ...
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Opernwelt November 2019
Rubrik: Im Focus, Seite 20
von Anselm Gerhard
Der Frankenstein-Stoff ist derzeit schwer en vogue: In der Nebenspielstätte «Tischlerei» der Deutschen Oper Berlin kam 2018 Gordon Kampes collageartiges Musiktheater zur Uraufführung, kurz darauf folgte auf Kampnagel (als Auftragskomposition der Hamburgischen Staatsoper) Jan Dvořáks Version, basierend auf einer Schauspielmusik, die er 2014 für das Theater Basel...
Er ist immer da. Kritzelt was an die Tafel hinter dem Schreibtisch. Greift sich ein Buch aus dem turmhohen Regal. Hockt faul im Liegestuhl am Meer. Kurvt auf dem Drahtesel durch die Sommerfrische. Schaut zwei jungen Damen beim Federballspiel zu. Fachsimpelt mit dem Mechaniker der Fahrradwerkstatt. Und fliegen kann er auch, gleitet samt Velo durch den Äther, sehr...
Wenn es eine innere Verwandtschaft zwischen Oper und Kino gibt, so beruht sie nicht zuletzt auf dem Hang zum Exzessiven, Monumentalen. Zu den frühen Großmeistern zeit- und raumsprengender Formate gehörten ja nicht nur Tonschöpfer wie Hector Berlioz (etwa mit «Les Troyens») oder Richard Wagner, sondern auch Filmpioniere wie David W. Griffith («Intolerance») oder...
