Clockwork Switzerland

Tobias Kratzer bemüht in Lyon für Rossinis «Guillaume Tell» Stanley Kubrick, um die Gewaltexzesse biederer Sangesbrüder zu entlarven; Daniele Rustioni gibt dazu den musikalischen Einpeitscher

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Kein Sonnenaufgang, keine Gewitterwolken, kein Regenbogen. (Fast) nur Schwarz und Weiß. In Tobias Kratzers Regie von Rossinis Mammut-Oper tragen die Unterdrückten Schwarz, mit weißen Hemden. Die Unterdrücker dagegen – genau wie die Gang um Alex in Stanley Kubricks Film «A Clockwork Orange» – Weiß, mit schwarzer Melone und schwarzen Stiefeln. Auf Rainer Sellmaiers Bühne ein schneeweißes Podest mit schwarzen Holzstühlen für den Chor, die von Ferne an die Stuttgarter «Norma» von Jossi Wieler und Sergio Morabito erinnern.

Dahinter ein riesiges Alpenpanorama als Wandbild, selbstredend schwarz-weiß. Im Lauf des Abends rinnt (schwarzes) Blut über die Fotografie, die am Ende völlig geschwärzt ist.

Kratzer verleugnet andere Lesarten der Oper nicht, wenn er seinen eigenen Weg sucht. Wie in Roland Schwabs beeindruckender Inszenierung stellt er das Solo-Violoncello auf die Bühne – allerdings nicht bei Tells Arioso vor dem Apfelschuss, sondern für das Instrumentalsolo am Beginn der Ouvertüre. Und wie 2017 in Saarbrücken zertrümmern Geslers Hooligans gnadenlos den innigen Moment. Im Unterschied zu den Regiearbeiten Schwabs und Damiano Michielettos (London 2017) erscheint Brutalität hier nicht ...

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Opernwelt November 2019
Rubrik: Im Focus, Seite 20
von Anselm Gerhard

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