Tanzen bis um zwei und dann schlafen wie ein Walross

Ihre sängerischen wie darstellerischen Qualitäten zeigt sie seit vielen Jahren in Stücken von Monteverdi bis Kurtág. Dabei hat sich Anna Prohaska stets den kritischen Blick bewahrt. Ein Gespräch über die Sehnsucht nach Freiheit, das Arbeitsklima an Opernhäusern, Komponisten als Vampire und über Richard Wagner

Opernwelt - Logo

Frau Prohaska, Sie wurden in Neu-Ulm geboren, wuchsen in Wien auf und leben seit ihrem zehnten Lebensjahr in Berlin. Ist die bundesdeutsche Hauptstadt Ihre Heimat?
Das würde ich definitiv so sagen. Wenn ich längere Zeit in Wien bin, ist das für mich auch wieder Heimat, und Salzburg ebenfalls, wo unsere Familie ein kleines Haus hat an einem See – ein altes Fischerhäusl, 350 Jahre alt, das man pflegen muss wie ein Haustier. Dort habe ich all meine Schulferien und Ostern und Weihnachten verbracht.

Aber wenn ich nach Berlin komme, dann freue ich mich wieder über die Berliner Luft, über das Leben hier und den Dialekt.

Ihre Mutter stammt aus England. Was ist englisch an Ihnen?
Englisch war meine erste Sprache, tatsächlich die Muttersprache. Zu Hause sprachen wir Englisch, und das ist auch heute noch so, wenn wir uns in der Familie treffen.

Die Familie Ihres Vaters kommt aus Österreich, was an Ihnen ist österreichisch?
Die Liebe zu den Bergen, was natürlich ein furchtbares Klischee ist. Außerdem die Liebe zur Kultur, zur Hochkultur, die in Österreich viel offener gezeigt wird. Im österreichischen Fernsehen werden ja immer noch Opern gezeigt zur Prime-Time. Solche Zeiten sind in ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle Opernwelt-Artikel online lesen
  • Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Opernwelt Dezember 2024
Rubrik: Interview, Seite 48
von Clemens Haustein

Weitere Beiträge
Tanz auf dem Vulkan

Eurydike backt eine Sahnetorte. Doch weder die süße Kalorienbombe noch ihr schicker Morgenmantel oder ihre schickgestylte Wohnküche können sie über die Langeweile ihrer bürgerlichen Ehe mit Orpheus hinwegtrösten. Entnervt folgt die junge Frau ihrem neuen Lover Pluto in die Unterwelt – der Weg dahin führt praktischerweise direkt durch den Kühlschrank. Auch auf dem...

Grenzerlebnis

Der Tunnel am Ende des Lichts, das Schweben durch den Sterberaum, das Zusammentreffen mit bereits hinübergegangenen Verwandten: So kennt man das aus Berichten über Nahttoderlebnisse. Manches wird von der Hirnforschung sogar bestätigt. Nichts dergleichen passiert Tamino. Das sind andere Gestalten, die ihm begegnen. Ein Dämon, eine Mixtur aus Hahn, Mephisto und...

Dialog ist alles

Erinnern wir uns. Es war ein heißer Augusttag des Jahres 2018 in Salzburg, man konnte froh sein, dass im Haus für Mozart die Klimaanlage funktionierte. Ein bisschen mulmig konnte einem trotzdem zumute werden angesichts dessen, was sich auf der Bühne ereignete. Jan Lauwers hatte sich Monteverdis «L’incoronazione di Poppea» vorgenommen und anscheinend den erklärten...