Tanz mit dem Tod

Bremen: Strauss: Der Rosenkavalier

Opernwelt - Logo

Dass der Tod ein Wiener ist, wissen wir spätestens seit Georg Kreisler. Aber eine wienerische Italienerin? Regisseur Tobias Kratzer vollbringt diesen Spagat, indem er die Intrigantin Annina als weiblichen Tod auftreten lässt, und macht gleichzeitig ihren Partner Valzacchi zu einer allegorischen Verkörperung der Zeit – zwei Figuren aus dem Umkreis des Mysterienspiels, die als Drahtzieher unter das bunte Volk der «Komödie für Musik» gemischt werden.

Ein bedenkenswerter Einfall, der zu manch ungewöhnlicher, eindrucksvoller szenischer Konstellation führt – wie etwa im zweiten Finale der Tanz von Ochs mit dem Tod zu den Klängen des berühmten Walzers. Eine überzeugende Verbildlichung des Eros Thanatos, von Liebe und Tod.

So weit, so gut. Doch neigt Kratzer dazu, seine Inszenierung gedanklich zu überfrachten, so dass man sie eigentlich erst dann richtig versteht, wenn man das Programmheft gelesen hat. Der zentrale Artikel dort versucht (Herheims Bayreuther «Parsifal» lässt grüßen), den «Rosenkavalier» zu einer Art Zeitreise umzufunktionieren – beginnend in der Epoche der Entstehung der Oper vor dem Ersten Weltkrieg bis in unsere unmittelbare Gegenwart, wobei Letztere in der ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle Opernwelt-Artikel online lesen
  • Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Opernwelt November 2010
Rubrik: Panorama, Seite 47
von Gerhart Asche

Vergriffen
Weitere Beiträge
Blühende Fantasie

«Götterdämmerung» als Demonstration der Vererbungslehre? Wenn Hagen nach Siegfrieds Tod in einer brutal ausgespielten Szene seine Halbschwester Gutrune vergewaltigt, kann man diese Tat ganz aus den Genen begründen: Hatte sein Vater Alberich bei der Zeugung des Sohnes nicht einst Grimhild, der Herrschersgattin im Hause Gibichungen und Mutter von Gunther und Gutrune,...

Macht der Liebe

Fangen wir mit der Musik an, sie ist die eigentliche Sensation des Abends. Ein tönend bewegtes Feuerwerk. Kaum zu glauben, dass hier dasselbe Orchester spielt, das man in den vergangenen zwei Spielzeiten häufig übersteuert und unpräzise erlebt hat. Die Gegenwart gehört der Jugend. Nicht einmal 30 Jahre alt ist Patrick Lange, der neue Generalmusikdirektor der...

Was heißt Register?

Das Bedürfnis, die menschliche Stimme terminologisch in verschiedene Register einzuteilen, rührt daher, dass bei einer Stimme, die über mehrere Oktaven geführt wird, verschiedene Bereiche akustisch zu unterscheiden sind, besonders deutlich bei unausgebildeten Stimmen. Schon im mittelalterlichen Musikschrifttum findet man Hinweise auf eine Dreiteilung der «vox...