Wunschkonzert

Darmstadt: Beethoven: Fidelio

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Die Inszenierungen von John Dew waren einst ebenso berühmt wie umstritten für ihre aktualisierenden Konzeptionen. Doch basierten sie nie auf platter Gleichsetzung, machten vielmehr Gegenwart auf Historie oder Mythos hin transparent: Sie zielten auf Vergegenwärtigung im umfassenden Wortsinne. In seiner aktuellen «Fidelio»-Produktion ist davon nur noch ein anachronistisches Aperçu übrig geblieben: Das eröffnende Duett zeigt Marzelline und Jaquino als Angestellte der Gefängnisbürokratie.

Sie weist seine Avancen zurück, indem sie sich angelegentlich in die Akten vertieft – papierene Akten, wohlgemerkt, und auch die wuchtigen Schreibmöbel und die schwarzen Bakelit-Telefone verweisen auf die erste Hälfte des 20. Jahrhunderts. Später, bei Pizarros Arie, erscheint ein bühnenhohes Regal mit Tausenden von Leitz-Ordnern, auch die Wachmannschaft hat sich in einen Chor von Beamten verwandelt. Dass aber in diesem Ambiente alle Personen Kostüme der Empire-Zeit tragen, wirkt willkürlich: Die Zeitebenen durchdringen sich nicht, sie stehen wie Öl und Wasser nebeneinander.

Ansonsten herrscht inszenatorisches Minimum: eine schwarze, leere Bühne, nur das Nötigste an Mobiliar und Requisiten, doch auch an ...

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Opernwelt November 2010
Rubrik: Panorama, Seite 48
von Ingo Dorfmüller

Vergriffen
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