Wunschkonzert
Die Inszenierungen von John Dew waren einst ebenso berühmt wie umstritten für ihre aktualisierenden Konzeptionen. Doch basierten sie nie auf platter Gleichsetzung, machten vielmehr Gegenwart auf Historie oder Mythos hin transparent: Sie zielten auf Vergegenwärtigung im umfassenden Wortsinne. In seiner aktuellen «Fidelio»-Produktion ist davon nur noch ein anachronistisches Aperçu übrig geblieben: Das eröffnende Duett zeigt Marzelline und Jaquino als Angestellte der Gefängnisbürokratie.
Sie weist seine Avancen zurück, indem sie sich angelegentlich in die Akten vertieft – papierene Akten, wohlgemerkt, und auch die wuchtigen Schreibmöbel und die schwarzen Bakelit-Telefone verweisen auf die erste Hälfte des 20. Jahrhunderts. Später, bei Pizarros Arie, erscheint ein bühnenhohes Regal mit Tausenden von Leitz-Ordnern, auch die Wachmannschaft hat sich in einen Chor von Beamten verwandelt. Dass aber in diesem Ambiente alle Personen Kostüme der Empire-Zeit tragen, wirkt willkürlich: Die Zeitebenen durchdringen sich nicht, sie stehen wie Öl und Wasser nebeneinander.
Ansonsten herrscht inszenatorisches Minimum: eine schwarze, leere Bühne, nur das Nötigste an Mobiliar und Requisiten, doch auch an ...
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Das Festival Junger Künstler war schon immer für Überraschungen gut. Im Europasaal des «Zentrums», wo 1982 die szenische Uraufführung von Mozarts Azione teatrale «Il sogno di Scipione» stattfand, wurde tatsächlich ein Stück von Richard Wagner aus der Taufe gehoben. Kein Wunder allerdings, dass die Posse «Eine Kapitulation» bislang nie gespielt wurde. Sie gehört...
Ein Geist schwebt über den Wassern. Im glitzernden Leibchen scheint Maura Morales aller Erdenschwere enthoben. «Ein Sturm weht», heißt es zuvor in einer Leuchtschrift, der «Engel der Verzweiflung» hängt nicht einfach in den Seilen, sondern stürzt sich wenig später mal kopfüber, mal kopfunter in ein Geschehen, das ihm am Ende nicht unbedingt gut bekommen soll.
Ein...
Für die «Zauberflöte» hat sich René Jacobs viel Zeit genommen. Papageno, Pamina & Co., so schien es, lagen außerhalb der Reichweite eines Musikarchäologen und Dirigenten, dessen interpretatorische Fantasie sich eher aus dem Geiste Monteverdis und der Seria speiste. Das belegen nicht zuletzt seine legendären Exegesen von Mozarts «Figaro», «Così» und «Don Giovanni»,...
