Tannhäuser vor der Todeszelle

Kürzungen und Intendantenwechsel – das Theater Hagen im Umbruch

Opernwelt - Logo

Einen «Tannhäuser» komplett aus dem eigenen Ensemble zu besetzen, schafft derzeit kaum ein Opernhaus. Für das Theater Hagen ist es kein Problem. Zwar singt die Sopranistin Dagmar Hesse gleich beide große Frauenrollen, aber dass Venus und heilige Elisabeth zwei Seiten der Weiblichkeit darstellen, ist ja ein bereits erprobtes und schlüssiges ­Regiekonzept. Zumal Dagmar Hesse, die in Hagen schon eine grandiose Senta gegeben hat, die beiden Partien stimmlich wie darstellerisch klar profiliert.

Mit sinnlichen Mezzotönen und erotischer Wildheit ist sie eine Venus, der kein Heteromann leicht entfliehen könnte. Als Elisabeth zeigt sie eine gehbehinderte Frau im grauen Kleid, die alle Sehnsuchts­energie in leuchtend-innerliche Klangschönheit fließen lässt.
Frank Dolphin Wong leiht Wolfram von Eschenbach seinen lyrischen, warmen Bariton, während Dario Walendow­ski den Tannhäuser mit sicherer Unverwüstlichkeit, wenn auch mit etwas gewöhnungsbedürftig rauer Stimmfärbung singt. Alle kleineren Rollen sind gut besetzt, und Hagens Generalmusikdirektor Antony Hermus dirigiert Wagner voller Schattierungen, rhythmisch pointiert, aber auch mit großem Atem, unterstützt von einem absolut ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle Opernwelt-Artikel online lesen
  • Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Opernwelt August 2007
Rubrik: Magazin, Seite 33
von Stefan Keim

Vergriffen
Weitere Beiträge
Totale Hingabe

«Oper» buchstabierte man in den siebziger Jahren in den USA mit «Beverly Sills» – die Sopranistin war in den Staaten der Inbegriff dieser Kunstform, weit noch vor Luciano Pavarotti oder Plácido Domingo.
Geboren am 25. Mai 1929 als Belle Miriam Silverman im New Yorker Stadtteil Brooklyn begann die Dreijährige eine Wunderkind-Karriere in den beliebten...

Beim Wort genommen

Es ist, um das Wesen der Gattung zu erspähen, hilfreich, eine kleine Reise zu unternehmen in jene ferne Zeit, die zumal in deutschen Landen gemeinhin unter dem Rubrum «Die Wilden Zwanziger» Eingang in die Geschichte gefunden hat. Wild, das ist für die Mehrzahl derer, die von dieser Zeit schwärmen, ein nachgerade romantisch verfügtes Synonym für das...

Unterhaltung ist auch eine Haltung

Auf unserer Rückfahrt grinst Ron zum ers­ten Mal. Er zieht die Lippen von seinen blitzend weißen Zähnen, und sein schwar­zes Gesicht beginnt zu leuchten. Ja, Sam sei ein alter Freund von ihm. Sam Barber. Mit dem habe er schon auf der Veranda gesessen. Was, sogar in Europa sei der bekannt? Ein lieber Mensch. Salzburg? Vanessa? «Never heard of it.» Ron fährt Taxi in...