Tannhäuser vor der Todeszelle

Kürzungen und Intendantenwechsel – das Theater Hagen im Umbruch

Opernwelt - Logo

Einen «Tannhäuser» komplett aus dem eigenen Ensemble zu besetzen, schafft derzeit kaum ein Opernhaus. Für das Theater Hagen ist es kein Problem. Zwar singt die Sopranistin Dagmar Hesse gleich beide große Frauenrollen, aber dass Venus und heilige Elisabeth zwei Seiten der Weiblichkeit darstellen, ist ja ein bereits erprobtes und schlüssiges ­Regiekonzept. Zumal Dagmar Hesse, die in Hagen schon eine grandiose Senta gegeben hat, die beiden Partien stimmlich wie darstellerisch klar profiliert.

Mit sinnlichen Mezzotönen und erotischer Wildheit ist sie eine Venus, der kein Heteromann leicht entfliehen könnte. Als Elisabeth zeigt sie eine gehbehinderte Frau im grauen Kleid, die alle Sehnsuchts­energie in leuchtend-innerliche Klangschönheit fließen lässt.
Frank Dolphin Wong leiht Wolfram von Eschenbach seinen lyrischen, warmen Bariton, während Dario Walendow­ski den Tannhäuser mit sicherer Unverwüstlichkeit, wenn auch mit etwas gewöhnungsbedürftig rauer Stimmfärbung singt. Alle kleineren Rollen sind gut besetzt, und Hagens Generalmusikdirektor Antony Hermus dirigiert Wagner voller Schattierungen, rhythmisch pointiert, aber auch mit großem Atem, unterstützt von einem absolut ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle Opernwelt-Artikel online lesen
  • Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Opernwelt August 2007
Rubrik: Magazin, Seite 33
von Stefan Keim

Vergriffen
Weitere Beiträge
Joseph und andere Brüder

Wann hat es ein neues, junges Opern­festival geschafft? Wenn sich die internationale Presse aufmacht ins noch immer etwas abgelegene Baltikum? Wenn sich im Pub­likum auch Reisegruppen von Opernfreunden finden, die es – etwa in Baden-Baden – sonst eigentlich etwas exklusiver und teurer haben? Wenn auch das einheimische Pub­likum trotz eher niedriger...

Beeindruckende Materialschlacht

Elf Jahre hat Intendant Jean-Louis Grinda erfolgreich am Ruf der Oper Lüttich als gediegenes, musikalische Akzente setzendes Haus gearbeitet. Nun wechselt er nach Monte Carlo. Szenisch gilt die «Opéra Royal de Wallonie» als wenig innovativ – Reiseunternehmen im Umkreis werben bisweilen offen damit, dass man in Lüttich Oper noch «wie früher» erleben könne.
In der...

Bewegungsbilder mit Gesang

Das Thema reizt, gerade in Zeiten, da fast jede Woche Schlagzeilen über ermordete Kinder erscheinen. Doch Choreografin Sasha Waltz widersteht in ihrer zweiten Opernregie der Versuchung, dem «Mythos Medea» allzu aktuelle Bezüge zu verleihen.
Das wäre auch schwierig, reduziert doch Pascal Dusa­pins 1991 entstandene Oper zu Heiner Müllers «Medeamaterial» die Handlung...