Harvey: Wagner Dream
Was ging Wagner wohl durch den Kopf, als er starb? Vielleicht seine unvollendete Buddhisten-Oper «Die Sieger», die er siebenundzwanzig Jahre zuvor aufgegeben hatte. Das ist der Ausgangspunkt von «Wagner Dream» – ein Stück, das nach der Luxemburger Uraufführung im Rahmen des Holland Festivals in Amsterdam auf reges Publikumsinteresse stieß. Jonathan Harveys neue Oper kreist um Wagner und Siddharta Gautama, eine eher hypothetische Liaison, die freilich durch einige Ritzen des «Parsifal» zu schimmern scheint.
Librettist Jean-Claude Carrière hat einen neunteiligen Essay zu Papier gebracht, der «reale» Personen (der cholerische Richard, die eifersüchtige Cosima, die junge Sängerin Carrie Pringle, Doktor Keppler) und fiktive Figuren des Opernfragments mischt. Die Traum-Buddhisten singen, bei Wagners wird gesprochen. Als Prakriti und Ananda der körperlichen Liebe abschwören und von Buddha aufgenommen werden, erlebt Wagner seine eigene Apotheose durch Vairochana – und stirbt mit einem Fuß im Nirwana.
Harvey verzichtet auf Wagner-Zitate oder Parodien. Stattdessen hat er einen facettenreichen Klangteppich komponiert, der Live-Elektronik und ein Kammerorchester, gesungene und gesprochene ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Opernwelt-Artikel online lesen
- Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Die Erfurter Neuinszenierung von Verdis «La traviata» – kurzfristig für einen ursprünglich mit Johann Kresnik geplanten «Maskenball» ins Programm geschoben – war spektakulär wegen des Deutschland- und Rollendebüts der jungen lettischen Sopranistin Marina Rebeka, die mit erstaunlicher musikalischer wie szenischer Selbstsicherheit die Titelpartie übernahm. Rebeka...
Zwei Leitern, zwei Stege, zwei Bodengitter, drei Hohlwände und ein paar Klappen – mehr bedarf es nicht, um eine Bühnenschlacht zu evozieren. Und für mehr ist im kleinen Rokoko-Theater des Neuen Palais zu Potsdam Sanssouci ohnehin kein Platz. Der Schicksalskampf zwischen dem mythischen Britenkönig Arthur und dem sächsischen Heidenherrscher Oswald, von dem Arthur...
Die Hoffnung der Bregenzer Festspiele 1994, Riccardo Zandonais «Francesca da Rimini» zumindest im Randsektor des internationalen Repertoires einbürgern zu können, hat sich nicht bestätigt. Gerade zweimal ist das schwül-dekadente «Poem aus Blut und Wollust» seither im Register der «Opernwelt» aufgetaucht: 2004 in Macerata und 2006 in Passau. Und das wird sich wohl...
