Talentförderung mit Familienanschluss
Drei verschiedene Opern an drei aufeinanderfolgenden Tagen: Was in Berlin oder Wien noch immer selbstverständlich scheint, ist in Italien eine Attraktion. Längst hat restriktive Kulturpolitik die einst blühende Opernlandschaft zwischen Triest und Catania zerschlagen. Ausgenommen sind ein paar Leuchttürme wie La Scala oder das Orchester der Accademia di Santa Cecilia – klar. Was einmal zur gesellschaftlichen Identität gehörte, verlagert sich – geschrumpft und neu formatiert – in die Festival-Szene.
Festivals können mit ihren Programmen flexibel reagieren, brauchen Orchester und Chöre nicht als teure Dauerkollektive zu unterhalten. Ihrem Event-Charakter fließen öffentliche Gelder zu, die einem ganzjährigen Betrieb verweigert werden. Geschickt genutzt können Festivals sich ausdehnen und einer Stagione annähern.
Beispiel Ravenna. Das dortige Festival besteht aus zwei Phasen. Im Sommer läuft zwei Monate ein breit gefächertes Programm, das Orchester- und Kammermusik umfasst, aber auch Tanz, Jazz, Performance und sogar elektronische Experimente. Ein Kessel Buntes, der 2018 durch die üblichen Verdächtigen angerührt wurde: von Valery Gergiev bis Ute Lemper und Wayne Marshall. Natürlich ...
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Opernwelt Januar 2019
Rubrik: Magazin, Seite 60
von Stephan Mösch
Die 1823 in Venedig uraufgeführte «Semiramide» ist die letzte, größte und – mit fast vier Stunden Spieldauer – längste Oper, die Rossini für Italien schrieb. Das verworrene Sujet um die babylonische Königin Semiramis, die mit Hilfe ihres Geliebten Assur ihren Gatten Nino getötet hat und an seiner Stelle regiert, bevor schließlich ihr Sohn Arsace den Vater rächt,...
Das letzte Wort ist noch nicht gesungen. Etwas mehr als die Hälfte des Textes, der ihn seit einer gefühlten Ewigkeit umtreibt, hat György Kurtág nun «vertont». Aber natürlich ist er mit «Fin de partie» nicht fertig. Mit dieser stockenden, komischen, lakonisch atmenden Sprachmusik Samuel Becketts, der er 1957 in Paris erstmals begegnete, kurz nach der Uraufführung...
Sieben Jahre. Mindestens. So lange dauert die Ausbildung. Die Anforderungen sind hoch und breit gefächert. Wer es im «klassischen», über Jahrhunderte hinweg mündlich tradierten Theater Chinas zu etwas bringen will, muss neben Talent und Leidenschaft viel Zeit investieren. Um die Grammatik eines Gesamtkunstwerks in den Körper zu bekommen, die Sprechen, Singen,...
