Molto esitando
Das letzte Wort ist noch nicht gesungen. Etwas mehr als die Hälfte des Textes, der ihn seit einer gefühlten Ewigkeit umtreibt, hat György Kurtág nun «vertont». Aber natürlich ist er mit «Fin de partie» nicht fertig. Mit dieser stockenden, komischen, lakonisch atmenden Sprachmusik Samuel Becketts, der er 1957 in Paris erstmals begegnete, kurz nach der Uraufführung des Stücks. Mit diesem hellsichtig absurden Palaver des blinden, an den Rollstuhl gefesselten Hamm und den Repliken seines sinnlos geschäftigen Faktotums Clov.
Mit Nell und Nagg, den schwerstversehrten, in die Tonne entsorgten Eltern Hamms, die ihr apokalyptisches Unglück als Farce verlachen. «Er schreibt weiter», versichert der Kölner Dirigent Markus Stenz. Als «Versione non definitiva», als eine erste, vorläufige Fassung bezeichnet Kurtág die 367 Seiten starke Partitur, die Stenz mit dem Orchester der Mailänder Scala und den vier exzellenten Solisten Frode Olsen, Leigh Melrose, Leonardo Cortellazzi und Hilary Summers zu einer lange erwarteten Weltpremiere führte, mit der kaum jemand mehr gerechnet hatte.
Knapp zwei Stunden überspannen die «Scènes et monologues» des in 14 Episoden unterteilten Einakters. Sieben Jahre ...
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Opernwelt Januar 2019
Rubrik: Im Focus, Seite 4
von Albrecht Thiemann
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