Szenen einer Hassliebe

Christian Dammann untersucht Wagner-Parodien im französischsprachigen Raum

Opernwelt - Logo

Pathos und Größe reizen zu Spott und Witz. Warum? Weil der Rezipient, der sich dem Großen, vielleicht auch dem Aufgeblasenen ausgesetzt sieht, innere Hygiene betreiben muss. Das Große will uns vereinnahmen, der Spott schafft Distanz und sichert die geistige Autarkie. Richard Wagners Person und Wirken reizen bis heute zur humoristischen Brechung. Seine Vorstellung vom Gesamtkunstwerk, seine Selbstinszenierung, seine Musik, die auf die Überwältigung des Hörers zielt: All das fordert, wenn nicht zur Unterwerfung, zur Distanzierung auf.

Erst im vergangenen Festspielsommer hat das Richard-Wagner-Museum in Bayreuth mit der Sonderausstellung «Spo(t)t-Light» ein Licht geworfen auf die Geschichte der Wagner-Karikatur. Mit «Folies-Richard: Französische und belgische Wagner-Rezeption in der dramatischen Opernparodie» legt nun Christian Dammann, Musikwissenschaftler und Solorepetitior an der Deutschen Oper am Rhein, einen 700-Seiten-Wälzer vor, der sich umfassend der parodistischen Wagner-Beschäftigung im französischsprachigen Raum widmet. Begonnen beim Breslauer Schriftsteller und Politiker Hermann Wollheim, der 1852 die Verballhornung «Tannhäuser oder die Keilerei auf der Wartburg» schrieb, ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle Opernwelt-Artikel online lesen
  • Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Opernwelt Februar 2026
Rubrik: Medien, Seite 38
von Clemens Haustein

Weitere Beiträge
Trösterin Natur

Füchse sind kaum zu domestizieren. Soll der Versuch auch nur ansatzweise gelingen, bedarf das Tier erheblicher Freiheiten. Der Förster in Janáčeks Oper zeigt sich bereit, der jungen Füchsin, die er gefangen hat, allerhand Lizenzen einzuräumen. Keine Frage, den Waidmann fasziniert, wie Füchslein Schlaukopf unter lauter domestizierten Wesen – gleich ob Mensch oder...

Die eine Farbe Rot

Ist es möglich, denkbar, fühlbar? Eine Liebe, so glühend und intensiv, so weitreichend und existenziell, dass die Dichterin sie mit einer Farbe vergleicht, die es eigentlich gar nicht gibt? Wohl nur die (deutsche) Romantik vermochte solche Extreme zu formulieren, in ihrer Sehnsucht nach dem Unendlichen. Karoline von Günderode, die Frühvollendete (gerade mal 26...

Editorial Opernwelt 2/26

Der Marquise de Pompadour, geborene Jeanne-Antoinette Poisson, von 1745 bis 1761 Maîtresse-en-titre Louis XV und spätere Duchesse de Menard, wird jenes lakonisch-zynische Bonmot zugewiesen, das noch heute vielen Menschen aus dem Mund herausplumpst, wenn irgendetwas krachend schief gegangen ist: «Après nous le déluge», zu Deutsch: Nach mir die Sintflut. Selbiges...