Die eine Farbe Rot
Ist es möglich, denkbar, fühlbar? Eine Liebe, so glühend und intensiv, so weitreichend und existenziell, dass die Dichterin sie mit einer Farbe vergleicht, die es eigentlich gar nicht gibt? Wohl nur die (deutsche) Romantik vermochte solche Extreme zu formulieren, in ihrer Sehnsucht nach dem Unendlichen. Karoline von Günderode, die Frühvollendete (gerade mal 26 Jahre war sie bei ihrem Tod), fasste dieses Verlangen in Verse, die noch heute unter die Haut kriechen, wo sie weiterkrabbeln und -kribbeln: «Du innig Roth, / Bis an den Tod / Soll meine Lieb Dir gleichen.
/ Soll nimmer bleichen, Bis an den Tod, Du glühend Roth, / Soll sie Dir gleichen».
Wolfgang Rihm hat Günderodes genialisches Gedicht «Hochrot» zu einem Lied vertont, das die düster-gespenstische Atmosphäre, in der das literarische Ich seine Empfindungen in Worte fasst, auf wundersame Weise versinnbildlicht. Nur zart hingetupfte Punkte, Striche und Linien werden über weite Strecken hör- und erfahrbar; ein Ungefähres, welches es dem Zuhörenden ermöglicht, in die (neo)romantische Welt einzutauchen. Eva Resch singt Rihms «Andeutungen« mit sanftem Nachdruck und feiner Emphase, und auch ihr Pianist Eric Schneider streichelt die ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Opernwelt-Artikel online lesen
- Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Opernwelt Februar 2026
Rubrik: Medien, Seite 37
von Virginie Germstein
Der afroamerikanische Countertenor Reginald Mobley ist in der Neuen wie in der Alten Welt aufgetreten und hat sich im Barock-Repertoire wie im Crossover einen Namen gemacht. Sein erstes, 2023 erschienenes Soloalbum «Because», das die Brücken vom Jazz zurück zu den Spirituals schlägt, wurde mehrfach preisgekrönt. Sein zweites Album mit dem Titel «Solitude» ist...
Die Vorstellung ist wirklich zu schön, um wahr zu sein: «Mann und Weib und Weib und Mann / reichen an die Gottheit an.» Schon in der Bibel, wo der Herr im Himmel bekanntermaßen eine führende Rolle spielte, taten sich viele Jahrhunderte zuvor erhebliche Zweifel an Schikaneders anachronistischem Liebeskonzept auf; bei Matthäus 5, 28 finden wir sowohl den konkreten...
In welcher Weise an diesen Uomo universale erinnern? Wie ihm in der Vielfalt seiner Begabungen und Betätigungen gerecht werden? Benjamin Appl, einer der letzten Schüler Dietrich Fischer-Dieskaus und ihm über mehrere Jahre hinweg verbunden, hat eine charmante Idee: die Vielseitigkeit seines Lehrers einfach zum Programm zu machen. So ist das Buch mit CD, das als...
