Surreales Ideentheater
Schon nachvollziehbar, dass just diese Oper zu den Lieblingsstücken Adolf Hitlers gehörte.
Denn jenseits der in ihrer schwermütigen Melodik und manchmal auch plakativen Machart an den italienischen Opernnaturalismus – Verismo – erinnernden Musik birgt die Fin-de-Siècle-Geschichte viel Treibstoff für eine «Blut und Boden»-Ideologie: Unverdorbener Junge – Pedro – aus unberührter Bergwelt trifft auf dekadente Urbanisation und setzt sich schließlich durch gegen die intrigante, verdorbene Welt, vor der er sich nur durch die Rückkehr in seine heile Welt retten kann, freilich nicht mehr alleine, sondern mit geläuterter Frau – Marta.
Nicht zuletzt deshalb wohl sind die Aufführungszahlen von «Tiefland» – Eugen d’Alberts ehedem so populärer Oper von 1903 nach einem katalanischen Schauspiel – zuletzt eher spärlich gewesen. Und nicht zuletzt deshalb verweist Regisseurin Katharina Wagner – auch sie weiß ein Lied von kontaminierten Stoffen und Namen zu singen – auf das historisch-politische Assoziationsgeflecht in Zusammenhang mit diesem Stück. Bei einer Figur wie dem herrischen Macho und Großgrundbesitzer Sebastiano, der sich des Missbrauchs an Marta seit ihrer Kindheit schuldig gemacht hat, ...
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Opernwelt Mai 2011
Rubrik: Panorama, Seite 44
von Alexander Dick
Vergessen, Erinnern und Wiederentdecken gehören zum Rhythmus der Künste, gerade des Musiktheaters. Dass Pietro Mascagni, Komponist aus der Toskana in der Verdi- und Puccini-Nachfolge, der fast 20 Opernpartituren schrieb, nur mit dem schroffen Verismo seiner Jugendoper «Cavalleria rusticana» (1890) überleben soll, schien unabänderlich zu sein. Doch eroberte seine...
New York ist für Rossinis «Le Comte Ory» kein Neuland: Nachdem Thomas Schippers die Oper 1962 mit den Philharmonikern und Solisten wie Judith Raskin (Adèle), Shirley Verrett (Isolier) und Norman Treigle (Gouverneur) auf den Spielplan gesetzt hatte, fand das Werk 1979 auch in das Repertoire der City Opera Eingang, geadelt durch so ausgewiesene Rossini-Interpreten...
Eine gute Oper zu komponieren, dürfte kaum je so schwer gewesen sein wie im Deutschland des ausgehenden 18. Jahrhunderts: Zwischen Gluck und Mozart, dem deutschen Singspiel und der französischen Revolutionsoper gelang es kaum einem der zahlreichen Hofkomponisten, die oft noch mit den Formmodellen der späten Opera seria groß geworden waren, zu einem markanten...
