Süß duftende Lindenblüte

Robyn Allegra Parton und Simon Lepper interpretieren Lieder von Marx, Mahler, Strauss, Berg und Korngold

Opernwelt - Logo

Das Cover, nun ja, ein bisschen arg artifiziell ist es schon. Es präsentiert eine junge Frau mit kritisch-herbem, zur Seite gerichteten, beinahe abweisenden Blick; Lippen und Teile der Schulter sind mit Goldstaub bedeckt. Aber das Bild passt zum Titel des Albums, das Robyn Allegra Parton aufgenommen hat: «Burnished Gold» bedeutet so viel wie «poliertes Gold». Und bezieht sich einmal, was man angesichts der Auswahl der versammelten Lieder unschwer erraten kann, auf jene kakanische Künstlergruppe, die unter dem Namen «Wiener Secession» Ende des 19.

Jahrhunderts in der Hauptstadt der Kunst und Musik für Furore sorgte, sowie ganz konkret auf Gustav Klimt, der in seinen Gemälden poliertes Blattgold verwendete, vor allem in seinem wohl berühmtesten Opus «Der Kuss».

Weniger von leidenschaftlichen Küssen und Umarmungen als vielmehr von der Liebe zur Natur ist in vielen jener Stücke die Rede, die sich die britische Sopranistin ausgesucht hat. Schon in den leider selten zu hörenden Liedern von Joseph Marx, deren sanfte Poesie für sich einnimmt, wird die «süß duftende Lindenblüte» besungen, der anmutige Zauber von «Rosenbändern», der «Herbstwind» und auch der rauschende Wald, kurzum: die ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle Opernwelt-Artikel online lesen
  • Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Opernwelt 2023
Rubrik: CDs, DVDs und Bücher, Seite 54
von Jürgen Otten

Weitere Beiträge
Lichte Höhen auf seltenen Erden

Wenden wir uns bei dieser Premiere, in deren Vorfeld sehr viel von Augmented Reality, von Brillen und Brillenkosten die Rede war, zunächst der akustischen Realität zu. Die war nämlich nicht weniger ungewöhnlich als das, was man durch die Brillen sah, und nutzte dafür sehr viel einfachere Mittel. Da ist der viel gelobte und immer als Konstante vorausgesetzte...

Der doppelte Spiegel

Just als Jewgeni Prigoschin sich mit seiner schwerbewaffneten Wagner-Truppe auf Moskau zubewegte, wurde im Bolschoi-Theater Schostakowitschs Oper «Lady Macbeth von Mzensk» (in der revidierten Version, als «Katerina Ismailova») gespielt, und einige Zuschauerinnen und Zuschauer dachten für einen Moment, sie würden nach der letzten Gefängnisszene auf die Straße gehen...

Heilige Familie

Von der alten Welt bleibt ein Bretterhaufen, aufgeschichtet während des Trauermarsches über der Leiche Siegfrieds, später umwabert von Trockeneis und im Flackerrotlicht. Mehr geht nicht im Passionsspielhaus, und mehr soll auch nicht sein, wie die Regisseurin findet. Unter anderem, weil der Weltenbrand light ohnehin von einem schwarzen Loch verschluckt wird: Gerade...