Süß duftende Lindenblüte
Das Cover, nun ja, ein bisschen arg artifiziell ist es schon. Es präsentiert eine junge Frau mit kritisch-herbem, zur Seite gerichteten, beinahe abweisenden Blick; Lippen und Teile der Schulter sind mit Goldstaub bedeckt. Aber das Bild passt zum Titel des Albums, das Robyn Allegra Parton aufgenommen hat: «Burnished Gold» bedeutet so viel wie «poliertes Gold». Und bezieht sich einmal, was man angesichts der Auswahl der versammelten Lieder unschwer erraten kann, auf jene kakanische Künstlergruppe, die unter dem Namen «Wiener Secession» Ende des 19.
Jahrhunderts in der Hauptstadt der Kunst und Musik für Furore sorgte, sowie ganz konkret auf Gustav Klimt, der in seinen Gemälden poliertes Blattgold verwendete, vor allem in seinem wohl berühmtesten Opus «Der Kuss».
Weniger von leidenschaftlichen Küssen und Umarmungen als vielmehr von der Liebe zur Natur ist in vielen jener Stücke die Rede, die sich die britische Sopranistin ausgesucht hat. Schon in den leider selten zu hörenden Liedern von Joseph Marx, deren sanfte Poesie für sich einnimmt, wird die «süß duftende Lindenblüte» besungen, der anmutige Zauber von «Rosenbändern», der «Herbstwind» und auch der rauschende Wald, kurzum: die ...
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Opernwelt 2023
Rubrik: CDs, DVDs und Bücher, Seite 54
von Jürgen Otten
Mit Beethoven hat die Schweinerei in der Musik begonnnen.» Der Satz könnte manchen Klassikverehrer schier in Rage versetzen: als kulturrevolutionär-dadaistische, schier blasphemische Schmähung eines schlechthin Erhabenen. Dabei stammt die Sentenz mitnichten von einem dandyhaften Provokateur: Der Wiener Komponist Josef Matthias Hauer geriet zwar mit Arnold Schönberg...
Da ist ein Herr mit klarem Heiratswunsch
Genervt von einer riesengroßen Diva.
Denn der (nicht die) bumst täglich fremd, trinkt Punsch –
Und zürnt damit sein Weib (Frau Almaviva).
Der Typ, der denkt: «Ich darf’s, ich mach’s, denn Macht
Zieht Weiberherzen an!» (Am Schluss gibt’s «Diss»!)
«Ich treff’ Susanne heute Nacht um acht!
Ich bin so hot, ich bin so stark, so...
Das Cover sollte man für einen Augenblick vergessen, wenn man Edipo in Gedanken über eine imaginäre Bühne schickt. Handelt es sich beim Protagonisten von Sophokles’ Tragödie doch um einen blinden, lebensmüden Greis, dem eher etwas unbequem Zotteliges denn gepflegt Graumeliertes eignet – während das Titelbild der vorliegenden CD uns den juvenilen Solisten dieser...
