Dampfende Lokomotiven
Mit Beethoven hat die Schweinerei in der Musik begonnnen.» Der Satz könnte manchen Klassikverehrer schier in Rage versetzen: als kulturrevolutionär-dadaistische, schier blasphemische Schmähung eines schlechthin Erhabenen. Dabei stammt die Sentenz mitnichten von einem dandyhaften Provokateur: Der Wiener Komponist Josef Matthias Hauer geriet zwar mit Arnold Schönberg in einen kuriosen Prioritätenstreit über Zwölftonmusik, ging aber völlig andere Wege. Hauer suchte eine Tonkunst überindividueller Gleichartigkeit als Pendant kosmischer Ordnung.
Seine «Zwölftonspiele» stehen für eine entsubjektivierte Musik, deren «Ausdruck» mehr in quasi kristallinen Permutationen statischer Intervallkonfigurationen gründete. Konsequent wurden Beethovens dynamische Entwicklung, dessen Finaltendenz und Kontrastschärfung bis hin zur übermusikalischen Menschheitsbotschaft ein Feindbild. Denn gerade in der deutschen Musik galten formale wie strukturelle Komplexität und Ausdruckskraft als Vorbild. Werke, die nicht mit polyphoner Kunst, hoher Arbeit, emotionaler Dringlichkeit und bedeutungsträchtiger Tiefe imponierten, galten rasch als «bloßer Sinnenkitzel». Hinzu kam der nationalistische Affekt wider ...
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Opernwelt 2023
Rubrik: Im Focus, Seite 26
von Gerhard R. Koch
In Polen gibt es ein neues, kleines und feines Opernfestival: das Baltic Opera Festival. Als Künstlerischer Leiter fungiert der polnische Bassbariton Tomasz Konieczny. 2009 entdeckte er bei einer konzertanten «Rheingold»-Aufführung (er selbst gab den Alberich) die szenisch damals noch brachliegende Waldoper von Sopot in der Nähe von Danzig und dachte über eine...
Jede Zeit hat ihre Geschichten. Wobei sich die Beziehungsdramen, von anno dunnemals bis in die Gegenwart, im Kern gar nicht so sehr unterscheiden. «Ein Jüngling liebt ein Mädchen, / die hat einen anderen erwählt …» In Giuseppe Verdis «Ernani» sind es gleich drei Männer, die ein- und dieselbe Frau begehren. Aber nur einen davon, den jüngsten und schönsten, liebt...
Frau Stikhina, sind Sie manchmal neidisch auf Radamès? Er ist mit seiner Arie kurz nach Beginn dran inklusive hohem B, kann dann einigermaßen relaxen – und Sie müssen bis zur Nil-Szene warten ...
Na ja, für mich gibt es dazwischen noch einiges. «Ritorna vincitor» zum Beispiel. Ich bin nicht neidisch, weil Radamès letztlich dreimal weniger zu singen hat als Aida....
