Kein bisschen weise
Das Cover sollte man für einen Augenblick vergessen, wenn man Edipo in Gedanken über eine imaginäre Bühne schickt. Handelt es sich beim Protagonisten von Sophokles’ Tragödie doch um einen blinden, lebensmüden Greis, dem eher etwas unbequem Zotteliges denn gepflegt Graumeliertes eignet – während das Titelbild der vorliegenden CD uns den juvenilen Solisten dieser Live-Einspielung von «Edipo a Colono» vorstellt – Nahuel di Pierro, der 2022 beim Rossini-Festival in Pesaro die Titelpartie interpretierte.
Im Rahmen von Rossinis Œuvre ist die «Musiche di scena» ein Unikum, eine Art von Teichoskopie (ein Verfahren, das freilich dem griechischen Drama in den Chorkommentaren quasi immanent war). Ohnehin war es nicht ein Theater, das den Komponisten zum «Edipo» beauftragte, sondern der Wasserbauingenieur, Altphilologe und Dichter Giambattista Giusti (1758–1829) aus Lucca. Dieser beschäftigte sich intensiv mit der Übersetzung von Werken aus dem klassischen griechischen und römischen Altertum, insbesondere der Dramen von Sophokles. Rossini hatte als Student in Bologna 1808 zusammen mit ihm klassische Texte studiert, und die Musik war für eine Privataufführung von Giustis «Edipo a Colono» ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Opernwelt-Artikel online lesen
- Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Opernwelt 2023
Rubrik: CDs, DVDs und Bücher, Seite 51
von Gerhard Persché
Graham Clark kam «aus dem Nichts», wenn man so will: «Ich wurde Opernsänger, nachdem ich bereits eine Karriere als Sportlehrer sowie als Technischer Direktor einer städtischen Sportabteilung hinter mir hatte.» Geboren wurde Clark im November 1941 in Littleborough in der Metropolregion Greater Manchester. Die Stadt Manchester wurde bekanntlich im 18. Jahrhundert zum...
Bedřich Smetanas all-time-favourite «Die Moldau» steht zwar von der rezeptionsmäßigen Wunschkonzert-Wahrnehmung her gewissermaßen «für sich», stammt aber aus dem Orchesterzyklus «Má vlast» («Mein Vaterland»). Mit Begriffen wie «Vaterland» und «Heimat» haben wir in Deutschland unsere verständlichen Probleme. Musikwissenschaftler Stefan Drees betrachtet den...
Frau Stikhina, sind Sie manchmal neidisch auf Radamès? Er ist mit seiner Arie kurz nach Beginn dran inklusive hohem B, kann dann einigermaßen relaxen – und Sie müssen bis zur Nil-Szene warten ...
Na ja, für mich gibt es dazwischen noch einiges. «Ritorna vincitor» zum Beispiel. Ich bin nicht neidisch, weil Radamès letztlich dreimal weniger zu singen hat als Aida....
