Wichtige (Wieder-)Aufführungen der Saison
Weder das Stück noch sein Schöpfer sind allzu bekannt. Allein deswegen war es eine Großtat des Pariser Théâtre du Châtelet, die Operette Vlan dans loeil von Hervé (der mit bürgerlichem Namen Louis Auguste Florimond Ronger hieß) in einer kecken, fulminant komischen Inszenierung in Paris zu präsentieren.
«Pierre-André Weitz’ Regie addiert in eigener Ausstattung Märchenwald, Jahrmarkt, Kasperletheater, Horror und Klamauk, lässt im Geisterwald monsterhaft Maurice Sendaks ‹Wilde Kerle› umgehen, überhöht die Schießbude mit Glühbirnengirlanden, glitzernden Revuerädern, zeigt Fotos von Callas und Zarenfamilie, lässt Wagner als Dudelsackspieler flanieren und serviert schrille Transvestitennummern. Und die Liebesszenen schwanken zwischen Innigkeit und Lächerlichkeit, wie auch die Bürger, Jäger und Höhergestellten entindividualisierte Ausgeburten eines Kuriositätenkabinetts liefern.»
(OW 8/2021)
Diese Frau war uns zuvor kaum je begegnet. Und ihr Schöpfer, der italienische Komponist Ruggero Leoncavallo natürlich vor allem seiner «Pagliacci» wegen bekannt. Dem Theater an der Wien war es zu danken, dass es im September 2020 dessen Commedia lirica Zazà präsentierte, mit der fabelhaften Svetlana ...
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Opernwelt Jahrbuch 2021
Rubrik: Umfrage Kritikerstatements, Seite 110
von Red.
Ich saß freudig nervös im Großen Festspielhaus, im Kopf tanzten die Erinnerungen an 40 Salzburger Festspieljahre Walzer, die Ouvertüre zu Mozarts Oper «Così fan tutte» stieg fauchend aus dem erhöhten Orchestergraben, die Paare sangen ihre falschen Liebesschwüre himmlisch schön, und dann passierte es: Tränen kullerten über die Maske. Verfluchte Musik, unergründbar...
Angenommen, eine normale Saison wäre das gewesen, wobei: Was heißt das schon? Und trotzdem, ohne das C-Wort, ohne Politikerinnen und Politiker, denen Fußball und Friseure näher liegen als die Kultur, verpanzert im Schwarz-Weiß-Denken zwischen Zusperren und Totalerlaubnis, ohne dies alles hätten es folgende Ereignisse auch nach oben in die «OW»-Umfrage geschafft....
Die Gesten der Musikerinnen und Musiker des Balthasar-Neumann-Ensembles stehen für mich symbolhaft für diese – unglaublichen – zurückliegenden zwölf Monate. Wie sie sich am 1. November, nach einer Matinee im Festspielhaus Baden-Baden, unter Tränen voneinander verabschiedeten, sich in den Armen lagen. Im Wissen, dass tags darauf eine neuer Lockdown kommen würde, de...
