Stumm scheidet Stern um Stern

Thilo Dahlmann und Hedayet Jonas Djeddikar entdecken den Liedzyklus «In Memoriam» von Norbert Glanzberg

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Theodor W. Adornos Verdikt steht nach wie vor wie in Stein gemeißelt im öffentlichen Diskursraum: «Nach Auschwitz ein Gedicht zu schreiben, ist barbarisch!», so heißt es wortwörtlich in Adornos 1949 geschriebenem, zwei Jahre später ver -öffentlichtem Aufsatz «Kulturkritik und Gesellschaft».

Was der Philosoph womöglich nicht bedachte, war die Tatsache, dass es Überlebende der Shoah gab, denen es gerade deswegen, weil sie selbst dem Grauen in den Rachen geblickt hatten oder von ihm in irgendeiner Art betroffen waren, ein innerstes Bedürfnis sein konnte, sich mit Worten und/oder Klängen zu befreien.

Einer dieser Überlebenden war der völlig in Vergessenheit geratene österreichisch-jüdische Komponist Norbert Glanzberg. 1910 in Lemberg (heute die ukrainische Stadt Lwiw) geboren, übersiedelte die Familie bald darauf nach Würzburg, wo Glanzberg ein Klavier- und Kompositionsstudium aufnahm. Emmerich Kálmán entdeckte das Talent des jungen Mannes und förderte ihn nach Kräften – mit dem Resultat, dass dieser schon bald als Filmkomponist reüssierte und unter anderem auch Songs für die Comedian Harmonists schrieb. Als Hitler an die Macht kam, floh Glanzberg nach Paris, wo ihn die Bekanntschaft ...

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Opernwelt Januar 2024
Rubrik: CDs, DVDs und Bücher, Seite 28
von Jürgen Otten

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