In Elsas Welt

Christof Loy liest Wagners «Lohengrin» in Amsterdam als zeitlose Studie über Desillusionierung, Lorenzo Viotti kostet die Feinheiten der Partitur aus, lässt zuweilen aber auch die Bude erzittern

Opernwelt - Logo

Der Anfang ist magisch. Als Bild, als Klangereignis. Im leicht erhöhten Graben erklingt das A-Dur-Vorspiel als genau das, was sein Schöpfer in ihm sah, als «symphonisches Gedicht» in himmels -ätherischem Blau (so man, wie Richard Wagner, zumindest im Fall von «Lohengrin» ein Anhänger der Synästhesie ist), und auf der riesigen Lamellenwand, die sich über die gesamte Vorderbühne erstreckt, erscheinen die Gesichter einzelner Menschen in Großaufnahme (Video: Ruth Stofer).

Sehnsüchtig staunend schauen sie in den Saal, so, als würde dort bald jenes Wunder geschehen, von dem im Libretto so unanständig häufig die Rede geht. Und just in dem Augenblick, als nach den Holzbläsern auch die Blechbläser das sogenannte Gralsmotiv im feierlich-gesättigten Forte intonieren, treten diese Menschen (der fantastisch differenziert und transparent singende Chor der Nationale Opera) durch die Ritzen an die Bühnenrampe, als Individuen, als Gemeinschaft, als Masse ohne Macht, angeführt von dem blendend disponierten Björn Bürger als Heerrufer.

Auf diesen Wendepunkt, den Chefdirigent Lorenzo Viotti mit seinem Nederlands Philharmonisch Orkest in allerfeinster Präzision aus -kostet (wie viele Passagen im ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle Opernwelt-Artikel online lesen
  • Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Opernwelt Januar 2024
Rubrik: Im Fokus, Seite 6
von Jürgen Otten

Weitere Beiträge
Süße Bonbons

Drei Mal «La Bohème» binnen einer Woche, kann man das aushalten? Oder nervt das dritte «Che gelida manina …» womöglich schon? Um gleich Entwarnung zu geben: Belastungstests dieser Art sind sogar ungemein erhellend, denn in der hohen Schlagzahl schält sich so etwas wie ein heißer Kern des Werks an sich heraus, der aus Momenten besteht, die immer funktionieren, weil...

Am Puls der Zeit

Alte und neue Musik begegnen sich im Konzertsaal selten. Zu verschieden sind die interpretatorischen, gar instrumentalen Voraussetzungen, die einem solchen Brückenschlag im Weg stehen. Umso spannender, wenn es doch geschieht, wie jetzt auf zwei CD-Neuerscheinungen, die extremer, kontroverser nicht sein könnten. Beide Male sind es «Überzeugungstäter», die den Spagat...

Ausflüge in eine andere Welt

Herr Köhler, ein Kritikerkollege aus dem Schauspiel hat Sie einmal einen «Theatermacher essenzieller Zeichen» genannt. Haben Sie eine Ahnung, was er damit sagen wollte?
Es ist immer schwer, so etwas selbst einzuschätzen. Aber in meiner Auseinandersetzung mit den Stücken geht es nie um Zeichen – es beginnt immer mit dem Konzept. Sowohl im Schauspiel als auch in der...