In Elsas Welt
Der Anfang ist magisch. Als Bild, als Klangereignis. Im leicht erhöhten Graben erklingt das A-Dur-Vorspiel als genau das, was sein Schöpfer in ihm sah, als «symphonisches Gedicht» in himmels -ätherischem Blau (so man, wie Richard Wagner, zumindest im Fall von «Lohengrin» ein Anhänger der Synästhesie ist), und auf der riesigen Lamellenwand, die sich über die gesamte Vorderbühne erstreckt, erscheinen die Gesichter einzelner Menschen in Großaufnahme (Video: Ruth Stofer).
Sehnsüchtig staunend schauen sie in den Saal, so, als würde dort bald jenes Wunder geschehen, von dem im Libretto so unanständig häufig die Rede geht. Und just in dem Augenblick, als nach den Holzbläsern auch die Blechbläser das sogenannte Gralsmotiv im feierlich-gesättigten Forte intonieren, treten diese Menschen (der fantastisch differenziert und transparent singende Chor der Nationale Opera) durch die Ritzen an die Bühnenrampe, als Individuen, als Gemeinschaft, als Masse ohne Macht, angeführt von dem blendend disponierten Björn Bürger als Heerrufer.
Auf diesen Wendepunkt, den Chefdirigent Lorenzo Viotti mit seinem Nederlands Philharmonisch Orkest in allerfeinster Präzision aus -kostet (wie viele Passagen im ...
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Opernwelt Januar 2024
Rubrik: Im Fokus, Seite 6
von Jürgen Otten
Jules Massenet hat den Abschluss seiner Opéra lyrique «Werther» genau notiert: «Samstag, 2. Juli 1887, 11.15 Uhr». Ob er ahnte, dass sein Werk tatsächlich ein Wurf war? Wie Puccinis «La Bohème» ist es ohne Fehl und Tadel, kein Takt zu viel, Libretto und Musik genau verzahnt – und doch im deutschsprachigen Raum nicht von gleicher Popularität; bis in die 1970er-Jahre...
Sie tun es alle irgendwann, und meistens mehrfach im Jahr. Am häufigsten vielleicht Frank-Walter Steinmeier und Olaf Scholz sowie die Fußballerinnen und Fußballer mit dem deutschen Adler auf der Brust. Und nicht nur sie; fast jeder Deutsche hat sich irgendwann mal an Haydns bekanntester Melodie versucht, der früheren Kaiserhymne und dem späteren Deutschlandlied....
Die erste Orchesterprobe ist ein wenig ernüchternd: Nach vier Tagen intensiven Unterrichts und Proben mit Klavierbegleitung spürt man deutlich, wie die Stipendiatinnen und Stipendiaten mit der Dynamik eines großen Instrumentenapparats noch fremdeln. Es klappert an Nahtstellen, die Meinungen über Tempi gehen bisweilen auseinander. Offenbar fehlt ein Stück Erfahrung....
