Strategien gegen den Verschleiß
Stimmkrisen – ein heikles Thema. Eines, über das nur wenige offen reden. Wer es dennoch tut, könnte sich schaden. So kommt es, dass Fragen nach Stimmverschleiß und Stimmoperationen, überhaupt nach Stimmerkrankungen nur selten öffentlich diskutiert werden. Dabei gehören sie mehr denn je zum Sänger- und Musikmarkt. Klar: Schon Enrico Caruso musste sich an den Stimmbändern operieren lassen, und seither hat es immer wieder prominente und weniger prominente Sänger gegeben, die Derartiges erlebt und erlitten haben. Neu ist, dass die Zahl derjenigen, die Hilfe suchen, sprunghaft ansteigt.
Neu ist auch, dass viele Sänger eine solche Operation inzwischen als durchaus normal ansehen und sportlich nehmen. Devise: unangenehm, aber nicht zu vermeiden, also so schnell wie möglich erledigen und dann weiter im Geschäft. Ungeheuerlich, wie der Druck des Marktes alle Selbstschutzmechanismen aushebelt. Neu ist nämlich keineswegs, dass solche chirurgischen Eingriffe zum Kern des Sängerlebens und Sängerwesens vorstoßen. Es geht – fast immer – um eine komplexe Mischung aus physiologischen, gesangstechnischen und psychologischen Aspekten. Um Vergangenheit und Zukunft. Kurz: um die Existenz. Für unseren ...
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Opernwelt Juni 2012
Rubrik: Schwerpunkt, Seite 24
von Albrecht Thieman
In diesem Jahr jährt sich der napoleonische Krieg in Russland zum zweihundertsten Mal. Prokofjews Oper «Krieg und Frieden» (nach Tolstois Roman), die diese Zeit feiert, ist allerdings ein Monster, kaum aufführbar. Sie beinhaltet viel Siegespathos, das heute inakzeptabel wirkt. Für einen Abend ist das Stück außerdem zu lang. Allerdings können Striche manches retten.
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Als Bühnenzauberer ist Stefan Herheim bekannt. Nun inszeniert er endlich ein Stück, bei dem Bühnenzauber zur Sache selbst gehört: «Xerxes» an der Komischen Oper Berlin. Das ist nicht das einzige Händel-Ereignis dieser Tage. Cecilia Bartoli im «Giulio Cesare» bei den Salzburger Pfingstfestspielen, die Händel-Festspiele in Göttingen und Halle, dazu eine Premiere...
Bei den Bayreuther Festspielen hat Christoph Schlingensief 2004 die Optik revolutioniert. Weil er sich nicht bemühte, den «Parsifal» irgendwie neu oder originell zu deuten. Weil er auf alle herme-neutischen Umarmungen des «Bühnenweihfestspiels» pfiff. Weil seine Bühnenräume zum großen und entscheidenden Teil virtuell waren. Weil er nicht eine vorgegebene Geschichte...
