Strategien gegen den Verschleiß
Stimmkrisen – ein heikles Thema. Eines, über das nur wenige offen reden. Wer es dennoch tut, könnte sich schaden. So kommt es, dass Fragen nach Stimmverschleiß und Stimmoperationen, überhaupt nach Stimmerkrankungen nur selten öffentlich diskutiert werden. Dabei gehören sie mehr denn je zum Sänger- und Musikmarkt. Klar: Schon Enrico Caruso musste sich an den Stimmbändern operieren lassen, und seither hat es immer wieder prominente und weniger prominente Sänger gegeben, die Derartiges erlebt und erlitten haben. Neu ist, dass die Zahl derjenigen, die Hilfe suchen, sprunghaft ansteigt.
Neu ist auch, dass viele Sänger eine solche Operation inzwischen als durchaus normal ansehen und sportlich nehmen. Devise: unangenehm, aber nicht zu vermeiden, also so schnell wie möglich erledigen und dann weiter im Geschäft. Ungeheuerlich, wie der Druck des Marktes alle Selbstschutzmechanismen aushebelt. Neu ist nämlich keineswegs, dass solche chirurgischen Eingriffe zum Kern des Sängerlebens und Sängerwesens vorstoßen. Es geht – fast immer – um eine komplexe Mischung aus physiologischen, gesangstechnischen und psychologischen Aspekten. Um Vergangenheit und Zukunft. Kurz: um die Existenz. Für unseren ...
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Opernwelt Juni 2012
Rubrik: Schwerpunkt, Seite 24
von Albrecht Thieman
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