Steuermann oder Pultvirtuose?

Zwei neue Bücher über die Institution und Funktion des Dirigenten

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Die Figur des heute vom Publikum wie von den Medien fetischisierten Dirigenten ist eine späte Erscheinung in der Aufführungsgeschichte der Musik. Zwei gleichzeitig erschienene Veröffentlichungen widmen sich jetzt dem komplexen Problemfeld – der aus einer Basler Ringvorlesung hervorgegangene, thematisch weit gespannte Band «DirigentenBilder. Musikalische Gesten – verkörperte Musik» und Martin Fischer-Dieskaus enger fokussierte Darstellung über den italienischen Sonderweg im 19. Jahrhundert.

Für die Autorinnen und Autoren des Basler Bandes ist der Dirigent im Sinne der modernen Medienwissenschaft ein «Musik-Darsteller», Dirigieren also immer zugleich ein «theatraler Akt»: «ein Tanz am Pult, der selber ästhetische Qualität besitzt und sich nicht auf bloße Funktionalität reduzieren lässt» – so die Herausgeber Arne Stollberg, Jana Weißenfeld und Florian Henri Besthorn in ihrem Vorwort. Das ist gewiss richtig, überhöht aber die Bedeutung des «Steuermanns» zum Pultvirtuosen und verengt sie damit zugleich auch wieder. Entsprechend diesem Ansatz stehen anthropologische Fragestellungen – Mimik, Gestik, Körperbilder, Körpersprache, Repräsentanz – im Zentrum auch der ...

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Opernwelt Januar 2017
Rubrik: Hören, Sehen, Lesen, Seite 31
von Uwe Schweikert

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