Steuermann oder Pultvirtuose?
Die Figur des heute vom Publikum wie von den Medien fetischisierten Dirigenten ist eine späte Erscheinung in der Aufführungsgeschichte der Musik. Zwei gleichzeitig erschienene Veröffentlichungen widmen sich jetzt dem komplexen Problemfeld – der aus einer Basler Ringvorlesung hervorgegangene, thematisch weit gespannte Band «DirigentenBilder. Musikalische Gesten – verkörperte Musik» und Martin Fischer-Dieskaus enger fokussierte Darstellung über den italienischen Sonderweg im 19. Jahrhundert.
Für die Autorinnen und Autoren des Basler Bandes ist der Dirigent im Sinne der modernen Medienwissenschaft ein «Musik-Darsteller», Dirigieren also immer zugleich ein «theatraler Akt»: «ein Tanz am Pult, der selber ästhetische Qualität besitzt und sich nicht auf bloße Funktionalität reduzieren lässt» – so die Herausgeber Arne Stollberg, Jana Weißenfeld und Florian Henri Besthorn in ihrem Vorwort. Das ist gewiss richtig, überhöht aber die Bedeutung des «Steuermanns» zum Pultvirtuosen und verengt sie damit zugleich auch wieder. Entsprechend diesem Ansatz stehen anthropologische Fragestellungen – Mimik, Gestik, Körperbilder, Körpersprache, Repräsentanz – im Zentrum auch der ...
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Opernwelt Januar 2017
Rubrik: Hören, Sehen, Lesen, Seite 31
von Uwe Schweikert
Das Datum war geschichtsträchtig, nachgerade prophetisch; freilich unbewusst. Schließlich konnte am 27. Januar 1667, als man in Dresden das «Churfürstliche Opernhaus am Taschenberg» eröffnete (nach seinem Erbauer wurde es auch das «Klengelsche» genannt), niemand wissen, dass dieses Gründungsdatum der Dresdener Oper just der Tag war, an dem 89 Jahre später in...
Seltsam, dass das im Nationaltheater München keiner komisch findet. Wenn die Solo-Posaune, drastisch vom b übers a und as zum g herabschmierend, postkoitale Erschlaffung illustriert und acht Takte später noch dreimal, im Gestus ähnlich, mit fallender Sekunde von versiegender Manneskraft quäkt. Es ist eine berühmt-berüchtigte Opernszene, unverstellt hat Dmitri...
Kürzlich hat die Lyric Opera in Chicago einen neuen «Ring»-Zyklus gestartet, nun lässt sie mit Berlioz’ «Les Troyens» ein weiteres Opus von epischer Breite folgen. Eine echte Premiere: Das Werk war in Chicago nie zuvor zu sehen (die bislang einzigen amerikanischen Produktionen gab es in San Francisco, Boston, New York und Los Angeles). Ein Jammer, dass man nur...
