Grenzüberschreitung
Große Massen auf leichten Füßen zu halten – das ist eine Kunst für sich. Der vereinigte Chor des Theaters Vorpommern und der Oper im Schloss Stettin ist eine beachtliche Masse, aber flotten Schrittes und stimmlich auf Zehenspitzen ziehen die Sänger als Edelleute in Wagners «Tannhäuser» auf die Wartburg. Die Choreinstudierung durch Malgorzata Bornowska und Julija Domaševa hat vorzügliche Arbeit geleistet, die Choreografie von Ralf Dörnen zusammen mit der Regie von Horst Kupich für Sicherheit und Klarheit gesorgt.
Doch erst der Generalmusikdirektor Golo Berg gibt diesem Einzug eine solch federnde italianità, eine von allen Klangsamtwämsen und orchestralen Helmbüscheln befreite Unbeschwertheit, dass der Chor gar nicht anders kann, als vokal zu tanzen.
Christopher Melching hat alle in rote Anzüge mit weißen Hemden gesteckt, eine Farb-Hommage an die polnischen Nachbaren, die hier zum zweiten Mal in Stralsund und bald in Greifswald eine große Wagner-Oper stemmen. «Lohengrin» bildete vor genau drei Jahren den Anfang. Der Mut des Intendanten Dirk Löschner, sich bei der Suche nach Kooperationspartnern gen Osten zu wenden, hat sich mehrfach ausgezahlt. Die Orchester führten ...
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Opernwelt Januar 2017
Rubrik: Panorama, Seite 48
von Jan Brachmann
Wer heute an Wettbewerben teilnimmt, muss im Misserfolg keine Häme noch Schmach befürchten. Doch Hybris kann die Hinrichtung durch Publikum und Medien nach sich ziehen. Der überambitionierten New Yorker Millionen-Erbin und Möchtegern-Diva Florence Foster Jenkins ist ebendies reichlich beschieden worden.
Eklatant waren deren Defizite: falsche Intonation,...
Ein Jahrzehnt blieb Fritz Wunderlich für das, was man pauschal eine Karriere nennt. Er setzte an, sie zu einer Weltkarriere zu weiten. Am 8. Oktober 1966 sollte der Tenor an der New Yorker Metropolitan Opera debütieren, als Don Ottavio in Mozarts «Don Giovanni». Wenige Tage vor der Abreise beendete ein grotesker Unfall im Haus eines Freundes im Kraichgau, wo...
Seltsam, dass das im Nationaltheater München keiner komisch findet. Wenn die Solo-Posaune, drastisch vom b übers a und as zum g herabschmierend, postkoitale Erschlaffung illustriert und acht Takte später noch dreimal, im Gestus ähnlich, mit fallender Sekunde von versiegender Manneskraft quäkt. Es ist eine berühmt-berüchtigte Opernszene, unverstellt hat Dmitri...
