Alleskönner
Ein Jahrzehnt blieb Fritz Wunderlich für das, was man pauschal eine Karriere nennt. Er setzte an, sie zu einer Weltkarriere zu weiten. Am 8. Oktober 1966 sollte der Tenor an der New Yorker Metropolitan Opera debütieren, als Don Ottavio in Mozarts «Don Giovanni». Wenige Tage vor der Abreise beendete ein grotesker Unfall im Haus eines Freundes im Kraichgau, wo der Künstler Kraft tanken, auf die Jagd gehen wollte, sein Leben.
Wie Mozart starb Fritz Wunderlich kurz vor dem 36. Geburtstag.
In der Dekade davor stand er rastlos im Aufnahmestudio; mittels etlicher Live-Mitschnitte lässt sich die rasante Entwicklung der reichen, charakteristisch timbrierten Stimme gut verfolgen. Zwei CDs, veröffentlicht aus Anlass des 50. Todestages, dokumentieren den mittleren (SWR Music) und reiferen Wunderlich (BR Klassik). Beide Rundfunkanstalten haben nun offiziell herausgegeben, was bislang nur auf Raubkopien erhältlich war, darunter auch Unveröffentlichtes wie eine Produktion von Eduard Künnekes «Lied vom Leben des Schrenk» 1962, entstanden fünf Monate vor der berühmten EMI-Produktion.
Im Wesentlichen bewahren beide Aufnahmen die gleiche Artikulationsintelligenz und erzählerische ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Opernwelt-Artikel online lesen
- Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Opernwelt Januar 2017
Rubrik: Hören, Sehen, Lesen, Seite 29
von Götz Thieme
Einen beeindruckenden Premierenreigen hat das Opernhaus Zürich in der Spielzeit 2015/16 hingelegt. Mit einer ebenso starken wie radikal in die Werkstruktur eingreifenden «Entführung aus dem Serail» in der Regie von David Hermann setzt das Haus unter der Leitung von Andreas Homoki weiter auf individuelle Regiehandschriften und unbequeme Sichtweisen. Gut so....
Die Wohnung hat keine Katzenklappe. Dafür eine hohe Gründerzeit-Tür, die ins Nichts hineinführt, in den freien Fall. Auch der Rest des Bühnenbildes am Staatstheater Hannover hängt buchstäblich in der Luft, als eine Kippfigur, schräg und surreal, wie die zwölftönig zwitschernden Fabeltiermenschen, die es bevölkern.
Einen Spaß hatte Hans Werner Henze sich machen...
Das Datum war geschichtsträchtig, nachgerade prophetisch; freilich unbewusst. Schließlich konnte am 27. Januar 1667, als man in Dresden das «Churfürstliche Opernhaus am Taschenberg» eröffnete (nach seinem Erbauer wurde es auch das «Klengelsche» genannt), niemand wissen, dass dieses Gründungsdatum der Dresdener Oper just der Tag war, an dem 89 Jahre später in...
