Sterben kann ich super

Im Juli ist sie 80 Jahre alt geworden. Wenn Helen Donath über ihre Kindheit in Texas, die Anfänge im Kölner Opernstudio, prägende Dirigenten, das «Regietheater» oder die Lehren der Corona-Krise spricht, blitzt die Vitalität ihrer Persönlichkeit auf

Es gibt Begegnungen, die den Lauf eines ganzen Lebens prägen können. Für Helen Donath waren das ein Treffen in Texas und eine Bekanntschaft in Hannover. Immer wieder erzählt die in bescheidenen Verhältnissen aufgewachsene Sopranistin von einem Gespräch mit dem Bariton George London in ihrer Heimatstadt Corpus Christi, das den Wunsch befeuerte, ihr Sängerglück in Europa zu suchen.

Dass es in Deutschland Wirklichkeit wurde, schreibt sie nicht minder emphatisch ihrem Mann Klaus Donath zu, mit dem sie seit mehr als einem halben Jahrhundert auch eine innige künstlerische Partnerschaft verbindet. Schon 2003 klangen diese Schlüssel­erlebnisse im Begleitheft einer Helen Donath gewidmeten «Opernwelt»-CD an. Kurz nach ihrem 80. Geburtstag haben wir die Künstlerin in ihrer niedersächsischen Wahlheimat besucht

Vielleicht war es ein Fehler, den Plattenschrank meiner Eltern aufzulösen und die Vinylscheiben an Musikfreunde zu verschenken, die noch einen echten turntable besaßen. Denn da hätte ich hören können, was Helen Donath alles im Studio gesungen hat: Oratorien, Messen und Kantaten von Bach (mit Karl Richter oder Eugen Jochum), Händel, Mozart, Beethoven oder Schubert; Frühbarockes von ...

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Opernwelt Jahrbuch 2020
Rubrik: Helen Donath, Seite 128
von Michael Struck-Schloen

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