Widerpart und Katalysator

In meiner Laufbahn als Dramaturg, Operndirektor und Intendant habe ich die ganze Spannweite möglicher Reaktionen auf Kritiken durchlebt: Manchmal war ich wütend und enttäuscht, wenn eine Regie, ein Dirigat oder eine sängerische Leistung meiner Ansicht nach ungerecht behandelt und mit einer oberflächlichen, wenn nicht gar kränkenden Bemerkung abgefertigt wurde. Manchmal war ich einfach verblüfft, was alles in einer Produktion deutend entdeckt wurde. Manchmal war ich aber auch zufrieden oder sogar beglückt, wenn ich merkte, dass die Botschaft eines Abends offenbar angekommen war.

Abgehärtet hat mich dieses jahrzehntelange Leben mit Kritik bislang nicht, auch, weil es jedes Mal wieder um die Arbeit von Menschen geht, an deren künstlerische Kraft ich glaube und denen ich als Intendant optimale Bedingungen zur Entfaltung ihrer Kreativität zu bieten versuche.

Kontinuierlich gewachsen ist jedoch meine Freude über Kritiken, die Aufführungen nicht bloß als Anlass mehr oder weniger origineller Pointen nutzen, sondern die das Angebot einer gedanklichen, emotionalen und sinnlichen Auseinandersetzung, das jeder Opernabend darstellt, ernst nehmen. Denn hier steht wortwörtlich etwas auf dem ...

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Opernwelt Jahrbuch 2020
Rubrik: Wozu Musikkritik?, Seite 114
von Dietmar Schwarz

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