Starke Frauen, extreme Lagen
Musiktheater ist ein feiner Seismograf für die Wandlungen im Umgang mit Emotionen. Wie sehr dies gerade auch für Händels Opern gilt, will dieser anregende Band mit seiner Fokussierung auf weibliche Opernfiguren zeigen, die von damals neuen und deshalb beunruhigenden «vermischten Empfindungen» geprägt sind. Eingelöst wird dieser in Laurenz Lüttekens bündiger Einführung formulierte Anspruch von Panja Mückes feinfühliger Analyse der Figurenkonstellation und einer Arie der Titelheldin in «Agrippina» (1709).
Klaus Pietschmann verfolgt Händels Wiederverwendungen derselben Arie in anderen Opern und zeigt auf faszinierende Weise, wie schon der junge Komponist mit «psychischen Extremsituationen» experimentierte (ärgerlich nur, dass dort nicht auf das erhellende Notenbeispiel in Mückes Beitrag verwiesen wird).
Extremsituationen prägen auch die zahlreichen Opern über Dido und Aeneas, die Albert Gier kenntnisreich Revue passieren lässt. Eine Fokussierung auf Händel ist dort – mangels einschlägiger Werke – weder sinnvoll noch möglich. In Cord-Friedrich Berghahns Skizze der «Ästhetik des Erhabenen» in ihrer Anwendung auf die «barocke Oper» (bis Gluck!) schmerzt hingegen der ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Opernwelt-Artikel online lesen
- Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Der erste «Walküre»-Akt kommt einem «Kommando zurück!» gleich. Richard Wagners liebende Geschwister hatte «Rheingold»-Regisseur David Hermann in seinem Blick voraus verzückt übereinander herfallen lassen (siehe OW 9-10/2016). Nun strafte «Walküren»-Regisseur Yuval Sharon die Zukunftsvision seines Kollegen Lügen. Zurückhaltender ward die Liebesszene selten...
Die Frau, wir kennen sie. Stella, der Stern. Hoffmanns Idealgeliebte. Real erscheint sie nicht, nur als Phantasmagorie, als flammende Erinnerung des Dichters. Nach ihr sucht er, aber sucht er nicht vielmehr nach sich selbst? Es ist beides. Mit der Erzählung will er ihr nahekommen. Sie zurückerobern aus den Fängen der Gesellschaft, die sie unter ihrem Applaus...
In einem Interview mit dem Berliner «Tagesspiegel» hat Barrie Kosky bereits 2013, kurz nach seinem Amtsantritt als Intendant der Komischen Oper, den Dreisatz verraten, mit dem er die in Deutschland so schlecht beleumundete Operette zu neuem Leben erwecken will: «Du musst den Stil lieben, du musst die Stücke mit Stars besetzen, und du musst dich darauf ...
