Liebesflöte, Wangenröte
In einem Interview mit dem Berliner «Tagesspiegel» hat Barrie Kosky bereits 2013, kurz nach seinem Amtsantritt als Intendant der Komischen Oper, den Dreisatz verraten, mit dem er die in Deutschland so schlecht beleumundete Operette zu neuem Leben erwecken will: «Du musst den Stil lieben, du musst die Stücke mit Stars besetzen, und du musst dich darauf einlassen, dem Publikum Unterhaltung zu bieten.» Viel zu oft nämlich, erklärte Kosky, würden Regisseure hierzulande «mit dem gesellschaftskritischen Holzhammer» kommen und so den Subtext der Sozialsatiren zum Haupttext machen.
Tatsächlich aber seien die Stücke in allererster Linie für den Prickeleffekt gemacht – den ironischen Subtext bekomme man gratis dazu.
Er hat sich genau an seinen Masterplan gehalten – und kann jetzt die Früchte des langfristig angelegten Revitalisierungsprogramms ernten. Denn sein Team ist mittlerweile so auf Entertainment à la Kosky eingeschworen, dass selbst ein dramatisches Nichts wie Oscar Straus’ «Die Perlen der Cleopatra» an der Komischen Oper zur Riesengaudi wird. Schrill und bunt, glamourös und erotisch, mit viel Lokalkolorit und weltläufig zugleich.
Entstanden ist das ganz zurecht ...
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Dass Mozarts «Così fan tutte» den Untertitel «La scuola degli amanti» trägt, also «Die Schule der Liebenden», kann man als Hommage an Antonio Salieris opera buffa «La scuola de’ gelosi» deuten. Oder als Kampfansage: Denn die 1779 in Venedig uraufgeführte «Schule der Eifersüchtigen» hatte sich zu einem der größten Publikumserfolge des italienischen Komponisten...
Normalerweise schreibe ich diese Kolumne erst, wenn ich mich beruhigt habe. Und weil ich, wenn auch kein sonniges, so doch ein recht ausgeglichenes Gemüt habe, fällt mir das meist nicht weiter schwer. Aber diesmal bin ich stinksauer. Auf Englisch geht das so: Man legt die Stirn in schwache Falten, wiegt den Kopf und gibt alle paar Stunden ein leises Zisch-...
Wie der Vater, so der Sohn? Beim Stimmfach mag der Spruch seine Richtigkeit haben. Dass aber Julian und Christoph Prégardien im Charakter erheblich differieren, räumen sie selbst ein. Hier der Vater, ein hintergründiger Denker, dort der offensiv gelaunte Sohn – bis in ihre jeweiligen Vorhaben hinein setzt sich dieser feine Unterschied fort. Ohnehin ist Julian...
