Spurensucher
Das Cover von Claudio Cavinas «Poppea»-Einspielung ist ein Akt posthumer Wiedergutmachung: Unter dem fett gedruckten Namen Claudio Monteverdis werden dort noch die venezianischen Komponisten Francesco Cavalli, Benedetto Ferrari und Francesco Sacrati als bislang identifizierte Miturheber des Erfolgsstücks aufgelistet, der letzte Posten in der Reihe lautet: «and anon». Die Autorenzeile signalisiert, dass der Prozess der Neuzuschreibung noch längst nicht abgeschlossen ist.
Tatsächlich könnte die Produktion der ersten kommerziellen Opern durchaus so funktioniert haben wie die großen Malerwerkstätten des 17. Jahrhunderts: als Gemeinschaftsarbeit einer Gruppe von Spezialisten, bei der der Chef lediglich koordiniert, einzelne Beiträge leistet und das Ergebnis am Ende mit seinem Namen absegnet. Immer mehr spricht dafür, dass die «Poppea» so entstanden ist – dass beispielsweise der größte Hit des Stücks, das Schlussduett «Pur ti miro» von Ferrari stammt, dürfte mittlerweile zweifelsfrei erwiesen sein. Jede Bearbeitung der Musik oder gar eine Vermischung der beiden erhaltenen unterschiedlichen «Poppea»-Fassungen sei prekär, weil sie diese unterschiedlichen Handschriften verwischen würde, ...
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