Behauptungswille
Die großen alten Mythen wie Medea oder Phädra (um zwei aktuelle Beispiele zu nennen) haben derzeit Konjunktur auf der Opernbühne, und die Literaturoper, die einen literarischen oder theatralen Text mehr oder weniger eins zu eins in Musik zu übersetzen sucht, ist nach wie vor dominant. Jörg Widmann und Roland Schimmelpfennig sind in ihrem Werk den anderen, schwierigeren Weg gegangen: gemeinsam einen neuen Stoff zu entwickeln – wofür es freilich in der Operngeschichte erlauchte Vorbilder gibt (und vereinzelt auch aktuelle Beispiele).
Es geht, kurz gesagt, um die Möglichkeiten der Biotechnologie, genauer: das Klonen von Menschen – und im allgemeinen Sinn um das, was der Philosoph Günther Anders die «Antiquiertheit des Menschen» nannte, seine Inadäquanz in der selbstgeschaffenen Lebenswelt. Der Abstand zwischen dem, was der Mensch objektiv herstellen, und dem, was er sich subjektiv vorstellen kann: Genau davon handelt das Stück.
Patrizia, Chefin eines Biotech-Konzerns, lässt sich klonen, um mit diesem Wissenschafts-Coup den Börsenkurs ihres Unternehmens nach oben zu treiben. Ihr Mann Bruno – schon lange kaum mehr als ein Geschäftspartner – verliebt sich in die Kopie, die den Namen ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Opernwelt-Artikel online lesen
- Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Ein Riesenerfolg? Der Jubel klang eher nach Aufmunterung. Wenige Tage vor der Premiere hatte Intendant Ulrich Peters mit verbitterten Worten öffentlich gemacht, was ohnehin wochenlang geraunt wurde: Sein Vertrag als Chef des Gärtnerplatztheaters wird über 2012 hinaus nicht verlängert. War's die kaum gesteigerte Auslastung (zuletzt 78 Prozent)? Die dürftige...
«Verfluchte Körper, Gerettete Seelen» weht auf der Spielplanflagge, unter der Nikolaus Bachler die Bayerische Staatsoper in dieser Saison verrucht-schön segeln lässt. Die geschmeidige Höllenmetaphysik gilt für Mozart und Puccini, und sie soll das Publikum auch dann berühren, wenn es eine sperrige Novität oder eine fromme Bizarrerie erlebt – nach Peter Eötvös’...
Mit Hermann Wolfgang von Waltershausens «Oberst Chabert», 1912 in Frankfurt/M. uraufgeführt und über 100-mal von London (Covent Garden) bis New York (Met), Stockholm, Wien, Prag und Riga nachinszeniert, endet der Ausgrabungszyklus der Ära Kirsten Harms an der Deutschen Oper Berlin. Alternative Avantgarden nach 1900 wurden hier vorgestellt: neuartige...
