Behauptungswille
Die großen alten Mythen wie Medea oder Phädra (um zwei aktuelle Beispiele zu nennen) haben derzeit Konjunktur auf der Opernbühne, und die Literaturoper, die einen literarischen oder theatralen Text mehr oder weniger eins zu eins in Musik zu übersetzen sucht, ist nach wie vor dominant. Jörg Widmann und Roland Schimmelpfennig sind in ihrem Werk den anderen, schwierigeren Weg gegangen: gemeinsam einen neuen Stoff zu entwickeln – wofür es freilich in der Operngeschichte erlauchte Vorbilder gibt (und vereinzelt auch aktuelle Beispiele).
Es geht, kurz gesagt, um die Möglichkeiten der Biotechnologie, genauer: das Klonen von Menschen – und im allgemeinen Sinn um das, was der Philosoph Günther Anders die «Antiquiertheit des Menschen» nannte, seine Inadäquanz in der selbstgeschaffenen Lebenswelt. Der Abstand zwischen dem, was der Mensch objektiv herstellen, und dem, was er sich subjektiv vorstellen kann: Genau davon handelt das Stück.
Patrizia, Chefin eines Biotech-Konzerns, lässt sich klonen, um mit diesem Wissenschafts-Coup den Börsenkurs ihres Unternehmens nach oben zu treiben. Ihr Mann Bruno – schon lange kaum mehr als ein Geschäftspartner – verliebt sich in die Kopie, die den Namen ...
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Er sei einfach der «aller-, allerbeste Intendant der Welt», schrieb die Fränkin Waltraud Meier, als der Franke Wolfgang Wagner 75 wurde. Sie brachte damit zum Ausdruck, was alle dachten und spürten: dass dieser Enkel des großen Richard motivieren konnte wie kein zweiter Theaterchef. Weil er immer da war, wenn man ihn brauchte, ansprechbar, offen, nie um eine (oft...
«Questo è il fin di qui fà mal», so ende, wer Böses tue, singen die sechs Übriggebliebenen am Schluss von Mozarts «Don Giovanni» (Prager Version). Im Publikum der Uraufführung im Nationaltheater zu Prag am 29. Oktober 1787 saß einer, der das vermeintlich Üble solchen Tuns kaum nachvollziehen konnte: Giacomo Girolamo Casanova, Chevalier de Seingalt, zu dieser Zeit...
Wohin geht das Musiktheater heute? Mit sechs Produktionen – drei Reprisen und drei neuen Stücken – bot die diesjährige MaerzMusik der Berliner Festspiele Gelegenheit, über diese Frage nachzudenken. Matthias Osterwold, Künstlerischer Leiter des Hauptstadt-Festivals, hat das Prädikat «Neue Musik» (mit großem N) vor neun Jahren durch das bescheidenere «aktuelle Musik»...
