Behauptungswille

Düsseldorf: Widmann: Das Gesicht im Spiegel

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Die großen alten Mythen wie Medea oder Phädra (um zwei aktuelle Beispiele zu nennen) haben derzeit Konjunktur auf der Opernbühne, und die Literaturoper, die einen literarischen oder theatralen Text mehr oder weniger eins zu eins in Musik zu übersetzen sucht, ist nach wie vor dominant. Jörg Widmann und Roland Schimmelpfennig sind in ihrem Werk den anderen, schwierigeren Weg gegangen: gemeinsam einen neuen Stoff zu entwickeln – wofür es freilich in der Operngeschichte erlauchte Vorbilder gibt (und vereinzelt auch aktuelle Beispiele).

Es geht, kurz gesagt, um die Möglichkeiten der Biotechnologie, genauer: das Klonen von Menschen – und im allgemeinen Sinn um das, was der Philosoph Günther Anders die «Antiquiertheit des Menschen» nannte, seine Inadäquanz in der selbstgeschaffenen Lebenswelt. Der Abstand zwischen dem, was der Mensch objektiv herstellen, und dem, was er sich subjektiv vorstellen kann: Genau davon handelt das Stück.

Patrizia, Chefin eines Biotech-Konzerns, lässt sich klonen, um mit diesem Wissenschafts-Coup den Börsenkurs ihres Unternehmens nach oben zu treiben. Ihr Mann Bruno – schon lange kaum mehr als ein Geschäftspartner – verliebt sich in die Kopie, die den Namen ...

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Opernwelt Mai 2010
Rubrik: Panorama, Seite 39
von Ingo Dorfmüller

Vergriffen
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