Schule des Mitleids

In Madrid machen Peter Sellars und Teodor Currentzis aus Purcells «Indian Queen» ein spirituelles Drama, in Potsdam verdichten Lydia Steier und Konrad Junghänel Händels «Jephtha» zu einem verstörenden Experiment

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Die letzten Dinge. Haben sie eine besondere Kraft, oder neigen wir dazu, sie ihnen anzudichten? Händel konnte die Uraufführung seines letzten originalen Oratoriums «Jephtha» im Februar 1752 nur noch mit Mühe dirigieren. «He breaks very much & I think he is quite blind in one eye», beobachtete der Gelehrte James Harris. Purcell hatte 1695 noch weniger Glück mit «The Indian Queen»: Er starb, bevor sie fertig war, sein Bruder Daniel musste übernehmen.

Beide Werke haben jetzt außergewöhnliche Produktionen inspiriert.

Peter Sellars erhob Purcells Semioper zu einem spirituellen Drama, indem er die Musik in eine völlig neue Handlung einbettete und um zusätzliche Songs und Anthems ergänzte. Im Zentrum steht nicht, wie in Sir Robert Howards und John Drydens Schauspiel, die Aztekenkönigin Zempoalla, sondern Prinzessin Teculihuatzin, die zur Festigung des Bündnisses zwischen Tlaxcalteken und Spaniern dem Konquistador Pedro de Alvarado zur Frau gegeben wurde – einem der Gefolgsmänner Cortez’, der nicht nur wegen seiner Eroberungen, sondern auch wegen seiner maßlosen Grausamkeit in die Geschichtsbücher eingegangen ist.

Sellars kommt es freilich nicht auf die Krieger an. Sondern auf ihre Frauen. ...

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Opernwelt Januar 2014
Rubrik: Im Focus, Seite 16
von Wiebke Roloff

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