Spitzentönte jenseits des Fachs

Vittorio Grigolo und sein Album «Verissimo»

Opernwelt - Logo

Den Manrico hat er schon vor zwei Jahren in Barcelona riskiert, den Canio gerade in Hamburg, der Cavaradossi ist seit Jahren eine Signetpartie. Vittorio Grigolo geht den Weg (fast) aller italienische Tenöre, denen das Lyrische – aus welchen Gründen auch immer – nicht genug ist. Dass seine klingende Visitenkarte «Verissimo» heißt und vielleicht falsche Erwartungen weckt, wissen er und sein Team womöglich selbst. Nicht auf vokales Reißen und Stoßen soll das Album zielen, wie der Tenor im Booklet-Text beteuert. «Sehr wahr», diese wörtliche Übersetzung, sei gemeint.

Diese Opern seien schließlich «absolut wahrhaftig». Die Gefühle gingen direkt durch einen hindurch, «sie sind nicht kalkuliert».

Wer nun aufstöhnt in der Befürchtung, der 47-Jährige würde alle gute Vokalerziehung vergessen, sei beruhigt. Grigolo übertritt keine rote Linien, weil er sich ihnen nämlich (fast) gar nicht nähert. Klug ist also, dass er die Arien zwischen Puccini und Leoncavallo zu sich heranholt. Das bedeutet im guten Fall: Der Tenor singt ohne Überreizungen. Im weniger guten: Die große, raumgreifende Geste, das Gebieterische, die Vehemenz im Dramatischen fehlt ihm. Und wo er aufdreht, wie etwa in den ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle Opernwelt-Artikel online lesen
  • Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Opernwelt Mai 2024
Rubrik: CDs, DVDs und Bücher, Seite 33
von Markus Thiel

Weitere Beiträge
Böhmen liegt am Meer

Was habe ich nur verbrochen, dass ich so viel leiden muss!» Dieser Stoßseufzer Smetanas, bei deutschen Theaterbesuchern längst ein geflügeltes Wort, ist in tschechischen Opernhäusern undenkbar. Prag, Olmütz und Brünn, Pilsen und Aussig inszenieren publikumsfreundlich, die Dramaturgie wird den Stücken gerecht, Bühne und Kostüme ergeben Sinn und bereiten sogar...

Paartanz der Freiheit

Ein Sänger und eine Sängerin auf der Bühne und mit ihnen ihre Stimme. Sonst nichts. Keine Dirigentin (oder Dirigent), kein Orchester, keine Kolleginnen oder Kollegen, kein Chor, keine Statisterie – nichts. Das ist die Grundanlage der Kammeroper «Liebesgesang», die im Mai 2024 an der Oper Bern ihre Uraufführung feiern wird. Die Musik stammt vom österreichischen...

Polytheismus in Tönen

Selbst Enthusiasten Neuer Musik horchen beim Namen von Reinhard Febel nicht sofort auf. Der in Metzingen geborene, bei Klaus Huber sowie am Pariser Elektronik-Studio IRCAM ausgebildete Komponist wirkte lange als Professor am Salzburger Mozarteum. Neben vielen orchestralen und vokalen Werken gab es immer wieder mal ein Musiktheater, meist an literarischen Stoffen...