Potpourri ohne Botschaft
Pique Dame beeindruckt mich nicht, zu diesem Sujet würde ich nur Minderwertiges schreiben können.» So Peter Iljitsch Tschaikowsky 1888 in einem Brief. Zwei Jahre später hatte er es sich anders überlegt und seine dritte Puschkin-Oper – nach «Eugen Onegin» und «Mazeppa» – binnen eines guten Monats aufs Papier geworfen. Ein wenig zu schnell. Neben den späten Instrumentalwerken wirkt «Pique Dame» geradezu uninspiriert, konstruiert, nicht durchgehend überzeugend.
Ihr Repertoirestatus beruht auf der nervenkitzelnden Handlung, auf der neurussischen Mystik, die Puschkin und Lermontow (die beide in Duellen fielen) begründeten und die auch Tolstoi, Turgenjew, Dostojewski und Tschechow bedienten: dem Mythos tragischer Männlichkeit, dem Typus des trinkfesten, kartenspielenden Schürzenjägers in Uniform. Puschkins Offizier Hermann ist der berühmteste, allerdings auch sonderbarste Vertreter dieser Spezies, ein armer Irrer vom Stamme der Raskolnikows und Stawrogins. Das Libretto Modest Tschaikowskys, als Poesie wertlos, fand keinen Abnehmer, bis sich sein Bruder erbarmte. Unter seinen Händen wuchs Hermann zu dämonischer Größe heran; er ist in jeder Szene gefordert, unausgesetzt. Wer die Rolle ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Opernwelt-Artikel online lesen
- Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Opernwelt Mai 2024
Rubrik: Panorama, Seite 54
von Volker Tarnow
Man liest es und staunt. «Österreichische Erstaufführung». 90 Jahre hat es gedauert, bis man in jenem Land, das sich die Nazis 1938 per «Anschluss» einverleibten und aus dessen Reihen immerhin jener Dämon stammte, der für den Tod von mehr als 60 Millionen Menschen verantwortlich zeichnet, auf die Idee kam, ein Musiktheater zu programmieren, das zwei Jahre nach der...
Was das vom französischen Staat geförderte Centre de musique baroque de Versailles im großen Stil für die Wiederentdeckung der französischen Barockmusik leistet, findet hierzulande im Engagement des Osnabrücker cpo-Labels und seines Produzenten Burkhard Schmilgun für die deutschsprachige Barockoper seit Jahrzehnten zwar nur ein bescheidenes, aber dennoch...
Vor 40 Jahren war die französische Barockoper selbst in ihrer Heimat kaum mehr als ein Gerücht. Inzwischen bietet sie dem interessierten Hörer ein fast unerschöpfliches Füllhorn dar. Wer einmal ihrem unvergleichlichen Zauber erlegen ist, wird zum Nimmersatt – nicht zuletzt, weil französische Künstlerinnen und Künstler mit ihren Ensembles die einst führenden...
