Potpourri ohne Botschaft

Tschaikowsky: Pique Dame an der Deutschen Oper Berlin

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Pique Dame beeindruckt mich nicht, zu diesem Sujet würde ich nur Minderwertiges schreiben können.» So Peter Iljitsch Tschaikowsky 1888 in einem Brief. Zwei Jahre später hatte er es sich anders überlegt und seine dritte Puschkin-Oper – nach «Eugen Onegin» und «Mazeppa» – binnen eines guten Monats aufs Papier geworfen. Ein wenig zu schnell. Neben den späten Instrumentalwerken wirkt «Pique Dame» geradezu uninspiriert, konstruiert, nicht durchgehend überzeugend.

Ihr Repertoirestatus beruht auf der nervenkitzelnden Handlung, auf der neurussischen Mystik, die Puschkin und Lermontow (die beide in Duellen fielen) begründeten und die auch Tolstoi, Turgenjew, Dostojewski und Tschechow bedienten: dem Mythos tragischer Männlichkeit, dem Typus des trinkfesten, kartenspielenden Schürzenjägers in Uniform. Puschkins Offizier Hermann ist der berühmteste, allerdings auch sonderbarste Vertreter dieser Spezies, ein armer Irrer vom Stamme der Raskolnikows und Stawrogins. Das Libretto Modest Tschaikowskys, als Poesie wertlos, fand keinen Abnehmer, bis sich sein Bruder erbarmte. Unter seinen Händen wuchs Hermann zu dämonischer Größe heran; er ist in jeder Szene gefordert, unausgesetzt. Wer die Rolle ...

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Opernwelt Mai 2024
Rubrik: Panorama, Seite 54
von Volker Tarnow

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