Spielerische Fülle, suggestive Leere
Wenn Text und Musik einer Opernpartitur die Grundlage aller Überlegungen für eine Inszenierung abgeben, wie Regisseure gern betonen, ohne immer danach zu handeln, dann gilt für die Werke Richard Wagners noch etwas anderes. Das Wesen des Musiktheaters, der Kern, war für ihn das Drama, «das wirklich vor unseren Augen sich bewegende Drama», das, was in Bildern einer Handlung auf der Bühne realisiert wird. Nur, das Vorspiel zum «Lohengrin» beginnt so immateriell unwirklich, dass man sich kein Bild aus einer realen Welt dazu vorstellen mag.
Diese «Romantische Oper» scheint aus lauter Innenansichten heraus zu leben. In Berlin und in Stuttgart standen jetzt zum «Lohengrin» zwei Regie-Statements und Bildwelten zur Diskussion, die sich diametral zueinander verhielten – hier die Fülle, dort die Leere.
Prominente Zeitgenossen Wagners empfanden das «Lohengrin»-Vorspiel, die Poesie der Streicher in höchsten Lagen, als eine so wirkmächtige Zauberformel, dass es ihnen fast die Sprache verschlug. So fühlte sich Peter Tschaikowsky «in das Reich des Lichtes, der Wahrheit und der Schönheit» erhoben, und Hector Berlioz glaubte dabei eine «höchst ergreifende Wirkung» zu verspüren. Der Dichter Charles ...
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