Spielbälle der Macht
Am 12. und 24. Mai in Graz.
Tröstliche Botschaften hält Alexander von Zemlinskys «Der Zwerg» nicht bereit. Der 1922 uraufgeführte Einakter beschreibt die zynischen Herrschaftsmechanismen am spanischen Königshof des 16. Jahrhunderts, die einen Kleinwüchsigen zum Spielball der dekadenten Hofgesellschaft herabwürdigen. Der Infantin Donna Clara zum Geburtstag geschenkt, wird ihm weisgemacht, er sei ein schöner Prinz und könne um die Liebe der Prinzessin buhlen.
Eine perfide Demütigungsstrategie, zumal der Zwerg sich selbst noch nie erblickte (er kennt keine Spiegel) und die überhebliche Infantin seine wachsende Zuneigung rein zu ihrem Vergnügen benutzt.
In diesem Moment der Täuschung liegt wohl auch das Verbindende zwischen Zemlinskys Musiktheater und Luigi Dallapiccolas fast 30 Jahre später entstandenem «Il prigioniero», die in Graz miteinander kombiniert wurden. Auch dem (aus politischen Gründen) Inhaftierten wird von den Machthabern etwas vorgegaukelt: Seine Freilassung stünde unmittelbar bevor. Doch hinter dem sternenbeschienenen Garten, den er nach seiner vermeintlichen Flucht erblickt, wartet bereits der Scheiterhaufen der katholischen Inquisition. «Il prigioniero» ist also, wie der «Zwerg», im Spanien des ...
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Opernwelt Mai 2017
Rubrik: Panorama, Seite 43
von Reinhard Kager
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