Spiel mir das Lied vom Liebestod
Schon der italienische Musikkritiker Abramo Basevi hat in seiner 1859 erschienenen, noch immer lesenswerten Verdi-Monografie die Sonderstellung der 1853 uraufgeführten «Traviata» betont.
Für Basevi, der in seiner Jugend als Komponist zweier erfolgloser Opern hervortrat, später die Instrumentalmusik der deutschen Klassik propagierte und zu den Vorkämpfern Wagners in Italien gehörte, bedeutete «La traviata» einen Wendepunkt in Verdis Schaffen: Verdi sei der Erste gewesen, der in Italien im Melodramma, der tragischen Oper, die Emotionen von Figuren aus der modernen, prosaischen Gesellschaft zum Ausdruck gebracht habe. Im Lauf von anderthalb Jahrhunderten ist aus dieser ja nicht gänzlich falschen Überlegung, nicht zuletzt durch Carl Dahlhaus’ einflussreiches Buch über den Realismus in der Musik des 19. Jahrhunderts, die irrige Meinung entstanden, Verdi habe mit «La traviata», Jahrzehnte vor Bizets «Carmen», Mussorgskys «Boris Godunow» und den Veristen, den Prototyp des realistischen Musiktheaters erfunden – als führe die Situierung einer Bühnenhandlung in der Gegenwart zwangsläufig auch zu einem Realismus in Ästhetik und Ausdruck.
Verdis Gründe, gerade diesen zeitgenössischen Stoff zu ...
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Auf der Spielzeitbroschüre 2009/10 des Theaters Magdeburg heißt es in großen Lettern: «Wir sind Thema». Wenn man durch Halle, Magdeburg und Dessau geht, drängt sich allerdings keineswegs der
Eindruck auf, dass Musiktheater Stadtgespräch ist. Muss man es nicht erst zu einem Thema machen?
Karen Stone: Das ist sicher wahr, aber in letzter Zeit ist das Publikum in...
Herr van Dam, 2010 werden Sie sich nach einem halben Jahrhundert von der Opernbühne verabschieden. Wollten Sie eigentlich jemals etwas anderes werden als Sänger?
Nie, für mich war dieser Weg immer selbstverständlich. Das hat sicher damit zu tun, dass ich schon als Kind aufgetreten bin – ich war immer Solist. Ein Freund meiner Eltern brachte mich zu einem...
Herr Delnon, bei Ihrem Amtsantritt vor drei Jahren hatten Sie die Vorgabe, drei Millionen Schweizer Franken aus dem Etat des Theaters einzusparen. Wie war das möglich?
Delnon: Eigentlich gar nicht. Ich habe immer wieder versucht, das dem Aufsichtsrat begreiflich zu machen. Wir haben uns dann darauf geeinigt, die Sparsumme zu reduzieren und von den Reserven des...
