Sperrig

Essen / Aalto-Theater Strauss: Ariadne auf Naxos

Opernwelt - Logo

Eigentlich ist ja die Theater-auf-dem-Theater-Situation eine ideale Basis für interessante szenische Brechungen und Zuspitzungen. Strauss’ «Ariadne» aber ist ein sperriger Brocken. Denn der alberne Konflikt zwischen Opernpersonal und Buffotruppe bietet allzu leicht Anlass zu grober Karikatur. In Essen hat Regisseur Michael Sturminger das Geschehen vom Palais des «reichsten Mannes von Wien» direkt ins Aalto-Theater verlegt und zeigt schon vor dem Vorspiel eine leere Bühne mit Putzfrau, Inspizient und heruntergefahrenen Lichttraversen.

Später werden mittels Drehbühne ein Nachbau der Essener Hinterbühne und der Zuschauerraum sichtbar. Dann kommen während des instrumentalen Vorspiels die Künstler, beziehen ihre Garderoben und beäugen sich misstrauisch.

Durch das muntere Spiel der Akteure entwickeln die ersten Szenen den Charme authentischer Theateratmosphäre, über das 45-minütige Vorspiel kann Sturmingers Konzept die Spannung trotz kreisender Drehbühne jedoch kaum halten. Im zweiten Teil wird eine seltsame Gips-Insel hereingefahren, auf der sich Ariadne im üppigen Rokoko-Kostüm umständlich bettet, derweil die Nymphen betont steif um das altmeisterliche Arrangement herumdrapiert sind. ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle Opernwelt-Artikel online lesen
  • Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Opernwelt Januar 2013
Rubrik: Panorama, Seite 37
von Regine Müller

Weitere Beiträge
Frostig

Puccinis Verleger Giulio Ricordi bezeichnete Pinkerton als «un mezzo lavativo americano»: ein Brechmittel. Dieses Charakterbild mag dazu beigetragen haben, dass Puccini nach der Mailänder Uraufführung «eine hasstrunkene Orgie des Wahnsinns» erlebte. Für die zweite Fassung der Oper tilgte er die verletzenden Bemerkungen Pinkertons über Japan und verwandelte ihn in...

Lichtschneisen in eine neue Zeit

Die Musik kommt aus dem Nichts. Eine aufsteigende Quinte der tiefen Streicher, dann ein Ganzton. Sehr leise beides, sehr legato und très modéré. Die Bewegung wiederholt sich. Holzbläser treten dazu: synkopisch sanft angestoßene Akkorde, mehr kreisend als zielgerichtet. Abbruch. Von fern grollt die Pauke. Dann ein neuer Start, die gleichen Töne, nur heller, höher,...

Böse Schwiegermütter

Wäre nicht die Sprache, der Leos Janácek so sorgfältig den Tonfall nachkomponiert hat, könnte sich ein österreichischer Musikliebhaber in der zweitgrößten Stadt Tschechiens wie zu Hause fühlen: mit der Janácek-Oper (1965) und dem historisierenden Mahén Divadlo, 1882 als Deutsches Theater vom epidemischen Büro Helmer & Fellner entworfen.

«Genius Loci», mäßig...